Do, 10. Januar 2013

Insel: Perspektiven

Mit Akeel Bilgrami (Department of Philosophy, Columbia University, New York), Ursula K. Heise (Institute of Environment and Sustainability, University of California, Los Angeles), Erle Ellis (Department of Geography and Environmental Systems, University of Maryland, Baltimore). Moderation: Julia Voss (Kunsthistorikerin und Journalistin, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurt)

Diese „Insel“ spricht eine zentrale Problematik der Anthropozän-Hypothese an: Wie sehen und betrachten wir? Welche Perspektiven stehen auf einem anthropozänen Planeten zur Verfügung? Ist der Mensch überprivilegiert, wird er zum gottähnlichen Schöpfer der Erde? Oder handelt es sich vielmehr um eine Entprivilegierung des Menschen, da „Mensch“ und „Natur“ gewissermaßen wiedervereinigt sind? Was sind die politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Implikationen dieser Perspektiven? Wer und was beeinflusst, kann kontrollieren, wie wir sehen? Wenn das Anthropozän als großer „Gleichmacher“ begriffen werden kann, der der gesamten – belebten wie unbelebten – Natur denselben Status zuweist, was bedeutet es für den Blick des Nicht-Menschlichen auf uns? Wie gehen die Naturwissenschaften mit einem Referenzrahmen um, innerhalb dessen es zunehmend schwieriger wird, Objekte für den wissenschaftlichen Blick zu isolieren? Wo sich eine Methodologie abzeichnet, die es dem Wissenschaftler unmöglich macht, als nicht eingreifender Beobachter über den Dingen zu schweben, wird das „Wie-Wir-Sehen“ zum Schauen, Spüren, Bewerten und Berichten aus der Innenperspektive der Welt.



Akeel Bilgrami (New York) ist Johnsonian Professor of Philosophy an der Columbia University und Gründungsmitglied des dortigen Committee on Global Thought. Seine Essaysammlung "Politics and the Moral Psychology of Identity" (Harvard University Press) erscheint 2013.Er arbeitet an zwei Büchern mit den Titeln "What is a Muslim?" (Princeton University Press) und "Gandhi, The Philosopher". Sein aktuelles Buchprojekt behandelt Praktische Vernunft und Politik.


Erle Ellis (Baltimore) ist Professor für Geografie und Umweltsysteme sowie Direktor des Laboratory for Anthropogenic Landscape Ecology an der University of Maryland. Er forscht zur Ökologie menschlicher Landschaften im lokalen wie globalen Maßstab, um für einen nachhaltigen Umgang mit der Biosphäre im Anthropozän zu werben. Zu seinen jüngeren Projekten gehören eine globale Kartografie der menschlichen Ökologie (Anthrome), Online-Tools für die globale Synthese lokalen Wissens (GLOBE) sowie preiswerte nutzerfreundliche Tools, um Landschaften dreidimensional zu kartografieren (Ecosynth).


Ursula K. Heise (Los Angeles) ist Professorin für Anglistik an der UCLA und war 2011 Guggenheim Fellow. Ihre Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind zeitgenössische Literatur, ökologische Kultur auf dem amerikanischen Kontinent, in Westeuropa und Japan, die ökologischen Geisteswissenschaften und Theorien der Modernisierung und Globalisierung in ihren kulturellen Dimensionen. Sie ist Autorin von u. a. "Sense of Place and Sense of Planet: The Environmental Imagination of the Global" (2008) und "Nach der Natur: Das Artensterben und die moderne Kultur" (2010).


Julia Voss (Frankfurt) ist Kunsthistorikerin, Philosophin und Journalistin. 2009 erhielt sie den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa, ihre Promotion "Darwins Bilder: Ansichten der Evolutionstheorie 1837–1874" wurde 2010 veröffentlicht. Zuletzt gab sie mit Michael Stolleis den Sammelband "Fachsprachen und Normalsprachen" (Wallstein Verlag, 2012) heraus. Seit 2007 leitet sie zusammen mit Niklas Maak das Kunstressort der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.


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