Fr., 22. Juni 2012

The Forgotten Space

R: Allan Sekula und Noël Burch

The Forgotten Space

The Forgotten Space

Film-Essay, 112min. Sprache: Englisch. Der Film gewann den Special-Orizzonti-Jurypreis des Filmfestivals in Venedig 2010.
Im Anschluss: Gespräch mit Allan Sekula und Gertrud Koch in englischer Sprache.

»Diejenigen unter uns, die auf dem Luftweg reisen oder durch das Netz ›surfen‹, denken nur noch selten an das Meer als einem Transportraum. Stattdessen leben wir im Zeitalter des Cyberspace, des unmittelbaren elektronischen Kontaktes zwischen überall und jedem. In dieser Fantasiewelt ist uns die Vorstellung von Entfernung verloren gegangen. Mehr als 90% des Frachtguts der Welt wird über die Meere transportiert. Dennoch glauben gebildete Menschen in unserer hochentwickelten Welt, dass Frachtgüter ebenso reisen wie sie, auf dem Luftweg, und dass Geld, das sich unsichtbar schnell bewegt, die abstrakte Quelle jeglichen Reichtums ist. Unsere These ist, dass das Meer weiterhin der ausschlaggebende Raum der Globalisierung ist. Nirgendwo sonst werden Desorientierung, Gewalt und Entfremdung des heutigen Kapitalismus deutlicher manifest. Doch ist diese Wahrheit nicht offensichtlich, sondern muss wie ein Puzzle, ein Geheimnis, oder ein zu lösendes Problem angegangen werden«. Allan Sekula


Seit mehr als drei Jahrzehnten haben Allan Sekula’s fotografisches und filmisches Werk, seine theoretische Auseinandersetzung mit der Fotografie und seine Kenntnisse als Historiker und als Chronist der Effekte der Globalisierung seine und nachfolgende Generationen von Künstlern maßgeblich beeinflusst. 1997 kam Allan Sekula als Gast des Berliner Künstlerprogramms nach Berlin. Kurz zuvor entstand die berühmte Fotoserie „Fish Story“ (seit 1995) - eine Beschäftigung mit dem maritimen Raum und den Welthäfen -, die u.a. auf der documenta 11 (2002) gezeigt wurde und die den Impuls für den Essayfilm „The Forgotten Space“ gab. „The Forgotten Space“ entstand in Zusammenarbeit mit dem französischen Filmemacher, Filmkritiker und Erfinder des Begriffs Essayfilm, Noël Burch. Bei seiner Weltpremiere 2010 auf dem Filmfestival von Venedig erhielt der Film den Special Orizzonti Jurypreis.


Allan Sekula (* 1951 in Erie, PA, USA, lebt und arbeitet in Los Angeles) hat an zahlreichen internationalen Gruppenausstellungen teilgenommen, u.a. zweimal an der documenta (2001 und 2007). Jüngste Einzelausstellungen: 2011: Allan Sekula Retrospecive, La Virreina Centre de l’Image, Barcelona; 2010: Ship of Fools, Museum van Hedendaagse Kunst Antwerpen, Antwerpen; Allan Sekula: Polonia and Other Fables, Ludwig Museum, Budapest; This Ain’t China, e-flux, New York, NY; 2009: Polonia, Renaissance Society, Chicago, Illinois, Zacheta Gallery, Warsaw. Seit 1985 lehrt Sekula Photographie und Medienkunst am CalArts (California Institue of the Arts).


Gertrud Koch ist Professorin für Filmwissenschaft an der Freien Universität Berlin mit den Forschungsschwerpunkten Ästhetische Theorie, Film- und Bildtheorie und Politische und historische Repräsentation. Sie ist Mit-Herausgeberin der Zeitschriften „Frauen und Film“ und „Babylon. Beiträge zur jüdischen Gegenwart“. Publikationen (Auswahl): „Herbert Marcuse zur Einführung“, (zus.m. H.Brunkhorst), Hamburg 1987; „Was ich erbeute, sind Bilder. Zum Diskurs der Geschlechter im Film“ Basel/Frankfurt a.M. 1988; " Die Einstellung ist die Einstellung. Visuelle Konstruktionen des Judentums“, Frankfurt a.M. 1992. „Siegfried Kracauer zur Einführung“, Hamburg 1996. „Auge und Affekt. Wahrnehmung und Interaktion. (Hg.) Frankfurt a.M. 1995; „Inszenierungen der Politik“, (Hg. zus. mit Paula Diehl), München 2007.



Eine Veranstaltung des Berliner Künstlerprogramm/ DAAD zu Gast im Haus der Kulturen der Welt