Fr, 06. Juli 2012

Europe (to the power of) n

Slavs and Tatars | „Reverse Joy“, 2011 | Foto: Sebastian Schröder

Slavs and Tatars | „Reverse Joy“, 2011 | Foto: Sebastian Schröder

Dreißig Szenarien, und damit dreißig Möglichkeiten über Europa nachzudenken, bilden den Ausgangspunkt des Kunstprojekts Europe hoch n, das zwischen Juli 2012 und April 2013 in Brüssel, Istanbul, London, Łódź, Minsk, Novi Sad, Høvikodden/Oslo, San Sebastián und Beijing als transregionales Exzellenzprojekt des Goethe-Instituts stattfindet. Den Auftakt macht ein Festival im Haus der Kulturen der Welt, in dessen Rahmen eine Auswahl an Szenarien und deren Protagonisten vorgestellt werden.

Das dem Projekt zugrunde liegende Europa steht in herausfordernden Beziehungen zu anderen und wird herausgefordert. Es verteidigt nicht Identität und Einheit, sondern öffnet sich. Über die künstlerischen Arbeiten wird Europa in Beziehung zu anderen gesetzt, im Wissen um seine koloniale Vergangenheit, seine gegenwärtige migrantische Prägung und zunehmende globale Verflechtungen. Europa ist kein Solitär!

Programm Freitag 6. Juli 2012 | Samstag 7. Juli 2012
(In deutscher Sprache mit englischer Übersetzung)

ab 18 Uhr Eröffnung des Festivals
Film: Europa im Werden – Der Schuman Plan
R: Eva Kroll, 1952, 10 min; präsentiert von Florian Wüst

1951 gründeten Frankreich, Italien, die Bundesrepublik und die Beneluxstaaten die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, die so genannte Montanunion, welche den Grundstein für die weitere wirtschaftliche und politische Einigung Europas legte. Eva Kroll berichtet in ihrem im Wochenschaustil gestalteten Dokumentarfilm über die Entstehung und die Ziele der Montanunion sowie die Bedeutung von Kohle und Stahl für das moderne Leben.
Zur Eröffnung sprechen: Bernd Scherer, Intendant Haus der Kulturen der Welt; Johannes Ebert, Generalsekretär Goethe-Institut

Film: Neighbours
R: Florian Göthner, 5 min

Das Prinzip von Neighbours spielt mit den Begriffen von Nähe und Distanz. Die real anmutenden Landschaftscollagen sind „Geisterbilder“, virtuelle Räume, mit offenen Schnittstellen und Verbindungen.

18.30 Uhr: Vortrag
Barbara Steiner: Warum ein Kunstprojekt über Europa machen?

Das Projekt Europe n versucht eine Annäherung an ein Europa, das pluralistisch, heterogen, fransig und in sich widersprüchlich ist. Der Vortrag beschreibt die Schwierigkeiten und Potenziale eines solchen Kunstprojekts, und warum es dennoch nach wie vor interessant sein könnte, über Europa zu sprechen.

19 Uhr: Vortrag
Oliver Klimpel: Freundlich und Feindlich. Visuelle Identitäten im Projekt Europe hoch n

Grafik-Design ist häufig Komplize in der Verkörperung von gesellschaftlichen Entwürfen und Gegenentwürfen. Wie können Zweifel an Wirksamkeit und Integrität von identitätsstiftenden Symbolen und Formen zum stimulierenden Ausgangspunkt für eine praktische Reflexion über grafische Erscheinungsbilder für dieses Projekt werden?

19.30 Uhr: Vortrag
Christian Teckert: Europa „on Display“. Szenarien eines „europäischen“ Ausstellungsraumes

Der Vortrag beschäftigt sich mit der Unmöglichkeit einer räumlichen Repräsentation Europas und dem gleichzeitigen Begehren nach einer identitätsstiftenden Marke des europäischen Raums. Die Frage nach dem Display eines (imaginären) europäischen Ausstellungsraums dient hier als Ausgangspunkt für die Frage nach den Möglichkeiten einer Raumfigur, die auf Inkongruenz, Spiegelung und Differenz beruht.

20 Uhr: Film
About Europe? ...Maybe this isn‘t even the case
Luise Schröder, 20 min

Luise Schröder begleitete mit der Kamera das Projekt Szenarien über Europa, den Prolog zu Europe hoch n. Dabei liegt ihr Augenmerk auf der Kommunikation und Vermittlung des Projekts, das umkreist wird, ohne selbst im Vordergrund zu stehen.

20.30 Uhr: Abendessen, Film und Performance
incorporation
Künstlerin: Asako Iwama, Schauspieler: Matthias Neukirch, Kamera: Joji Koyama und Montse Torreda

Matthias Neukirch wird die Rolle von Asako Iwama performen. Ein begleitender Film, in dem man ihm zusieht wie er Iwamas Zubereiten von Reisbällchen nachzuahmen versucht (ein Prozess in dem die Hände desjenigen, der zubereitet, ein integrales Werkzeug sind), dokumentiert den Prozess Iwama zu werden.

22 Uhr: Open-Air Cinema
Von Allen für Alle, kuratiert und präsentiert von Florian Wüst

Das Kurzfilmprogramm reflektiert die Idee eines vereinigten (West-)Europas, das unter dem Eindruck der Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs zur wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit fand. Das idealisierte Bild dessen, was ein gleichgesinntes Europa ist und sein könnte, steht der Wirklichkeit einer immer heterogeneren Gesellschaft gegenüber. Die Dokumentar- und Werbefilme, Musikclips und künstlerischen Videos des Programms begegnen dem schwierigen Verhältnis zwischen Differenz und Assimilation vor allem im Hinblick auf Sprache und Lebenskultur. Die filmischen Mittel reichen dabei von der dokumentarischen Inszenierung bis zur humorvoll-kritischen Collage.

Europa Radio Hans Richter, NL 1931, 9 min
Europa hat schon begonnen Hans H. Hermann, BRD 1960, 25 min
Inventur – Metzstrasse 11 Zelimir Zilnik, BRD 1975, 9 min
The Perfect Sound Katarina Zdjelar, NL/UK 2009, 14:30 min
Experiment on a Map Barbara Kaiser, A 2001, 10 min
Die Goldenen Zitronen – Weil wir einverstanden sind Deborah Schamoni / Ulli Lindenmann, D 1998, 3 min
Berlun Ezgi Kılınçaslan, D 2008, 6:30 min

Installationen von Annika Eriksson und von Melanie Gilligan werden während des Festivals permanent gezeigt.

Programm Freitag 6. Juli 2012 | Samstag 7. Juli 2012

Bei Europe (to the power of) n handelt es sich um ein Projekt aus der Exzellenzinitiative des Goethe-Instituts. Die Studie zum Projekt, Szenarien über Europa, wurde zwischen September 2011 und April 2012 in Kooperation mit der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig durchgeführt. Europe hoch n wird vom Goethe-Institut London in Kooperation mit 10 Institutionen in und außerhalb der EU koordiniert. Der Launch und das Festival finden in enger Zusammenarbeit mit dem Haus der Kulturen der Welt statt. Die künstlerischen Beiträge wurden ermöglicht durch die Unterstützung von Arend Oetker, Berlin.