Sa, 17. März 2012

Animismus

Konferenz Tag 1 | Tag 2

14 h Roundtable 2: Animismus und Kapitalismus
(in englischer Sprache)

Die zweite Gesprächsrunde befragt die Geschichte des Animismusbegriffs hinsichtlich der Kritik an der Warenform, also dem Tauschwert einer Sache (im Gegensatz zum Gebrauchswert), der ihr angeblich erst Leben einhaucht. Die Diskussion erkundet das historische Problem der Animation von Dingen in Bezug auf Ökonomie, Begehren und neuere Transformationen der kapitalistischen Bildsphäre.

Mit: Avery F. Gordon (Professorin für Soziologie an der University of California/Santa Barbara), Tom Holert (Kunsthistoriker und Publizist, Berlin), Angela Melitopoulos (bildende Künstlerin, Berlin) / Maurizio Lazzarato (Soziologe und Philosoph, Paris), Isabelle Stengers (Professorin für Wissenschaftsphilosophie an der Université Libre de Bruxelles)
Moderation: Anselm Franke

16.15 – 18 h Roundtable 3: Animismus und Politik
(in englischer Sprache)

Die dritte Gesprächsrunde widmet sich den politischen Implikationen der Diskussion. Sie dreht sich um aktuelle politische Kämpfe – beispielsweise die indigenen und ökologischen Bewegungen in Südamerika – und erörtert sie in historischer Perspektive. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Aufbau von politischen Vertretungen, von Anerkennung und Rechten.

Mit: David Abram (Kultursoziologe und Philosoph, New Mexico), Alejandro Haber (Professor h.c. an der Universidad Nacional de Catamarca, Argentinien, arbeitet zur Theorie und Philosophie der Archäologie), Esther Leslie (School of English and Humanities, London, arbeitet zur marxistischen Theorie der Ästhetik und Kultur), Michael Taussig (Professor für Anthropologie, Columbia University, New York), Paulo Tavares (Centre for Research Architecture an der Goldsmith, University of London, arbeitet zu politischen und ökologischen Bewegungen in Südamerika), Rane Willerslev (Professor für Anthropologie an der Universität Aarhus, Dänemark)
Moderation: Avery F. Gordon (Professorin für Soziologie an der University of California/Santa Barbara)

19 h „Das Totenschiff“
'Michael Taussig, Vortrag
'(Simultanübersetzung englisch – deutsch)

„Das Totenschiff“ (B. Traven 1926) erzählt Geschichten, besser noch als die Matrosen, die keine offiziellen Papiere habe und völlig abgearbeitet sind. Wie kann ein Schiff ein Geschichtenerzähler sein? Und wie steht es mit den massiven LKW-Reifen in „Lohn der Angst“? Leben die nicht auch? Sie füllen die Leinwand auf, kriechen nach vorne, lebendiger als ein Mensch. Und denken Sie schließlich an die surrende Substanz, die der Medizinmann ca. 1920 in Feuerland seinem eigenen Körper entnimmt, eine Substanz, die sehen, töten, heilen kann, und die mit großem Geschrei in beängstigender Geschwindigkeit in seinem Körper ein- und ausgeht: der Inbegriff des Werdens eines Lebewesens, das Ur-Beseelte.
Michael Taussig ist Professor für Anthropologie an der Columbia University, New York.

21 h Für eine Ökologie des Unsichtbaren
Tobie Nathan, Vortrag
(Simultanübersetzung französisch–deutsch–englisch)

Seit man von den „Unsichtbaren“ spricht – von Zar, Dschinn, Afritt, Melk –, die sich in Äthiopien, Jemen, Somalia, Arabien, im Maghreb, in Indien und Pakistan wie auch in den Migrationsländern des Westens die Welt mit den Menschen teilen, sucht man nach psychologischen Erklärungen für das Phänomen. Wenn wir uns mit den Ideen, Theorien und Ordnungen auseinandersetzten, die die Existenz dieser Wesen impliziert, würden wir erkennen, dass sie ein Bild des „Anderen“ zeichnen, der nicht unseresgleichen ist. Uns würde deutlich, dass sie am Ursprung wahrer Regeln der Gastfreundschaft stehen.
Tobie Nathan ist Professor für klinische Psychologie und Psychopathologie an der Université Paris 8.

Die Teilnehmer der Konferenz

Begleitend zum Projekt erscheint die Publikation „Animismus – Revisionen der Moderne“, hrsg. v. Irene Albers und Anselm Franke, diaphanes Verlag 2012.

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