Konferenz

Animismus

Fr 16.3.2012
14h
Eintritt frei

Roundtables in englischer Sprache, Lectures mit Simultanübersetzung englisch/französisch – deutsch

Kategorische Trennungen zwischen subjektiver und objektiver Welt im imaginären und gesellschaftlichen Verfügungsraum der Moderne sind in den letzten Jahren in vielen Disziplinen in Bewegung geraten und haben nicht zuletzt zu einem neuen Interesse am Animismus geführt. Die Konferenz zur Ausstellung führt eine Vielzahl von aktuellen Perspektiven aus Ethnologie, Literaturwissenschaft, Kunst, Naturwissenschaften,Wissenschaftsgeschichte und Politik zusammen.

Mögliche und überraschende Korrespondenzen und Verbindungen aufzuspüren, das Konzept sowie die Geschichte des Animismus für eine Selbstbefragung und neue kritische Reflexion der Moderne fruchtbar zu machen, ist Fokus und Ausgangspunkt der Debatte. Die Diskussionen stellen etablierte Trennungs- und Grenzziehungspraktiken der Moderne zwischen Natur und Kultur, Dingen und Akteuren, Welt und Vorstellung auf den Prüfstand.

Drei Roundtables setzen Animismus in Bezug zu aktuellen Fragen der Neuordnung ökonomischer, politischer und ökologischer Welt- Verhältnisse. Die Abendvorträge kommentieren die transdisziplinär neu entdeckte Aufmerksamkeit für den „Animismus“ vor einem philosophischen, politischen und wissenschaftstheoretischen Hintergrund.

Konzeption:
Irene Albers, Professorin für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Romanische Philologie an der Freien Universität Berlin
Anselm Franke, Kurator der Ausstellung

Konferenz Tag 1 | Tag 2

14 – 18 h Roundtable 1: Animismus und die anderen Geschichten der Moderne
(in englischer Sprache)
Die erste Gesprächsrunde untersucht Möglichkeiten, das Animismus- Konzept als historiografische Methode einzusetzen. Die in diesem Konzept implizite Kritik an der Moderne und ihren kolonialistischen Untertönen eröffnet neue Perspektiven für die Geschichtsschreibung der Moderne, insbesondere was die Ordnung des Wissens, der Dinge, der Disziplinen und der Gesellschaft anbelangt. Wie können Vorstellungswelt und Geschichte der Moderne durch das konzeptionelle Prisma des Animismus neu gedacht werden?

Mit: Cornelius Borck (Leiter des Instituts für Medizin- und Wissenschaftsgeschichte, Universität Lübeck), Harry Garuba (Leiter des Centre for African Studies, University of Cape Town), Thomas Macho (Professor für Kulturgeschichte, Humboldt-Universität zu Berlin), Spyros Papapetros (Professor für Geschichte und Theorie der Architektur, Princeton University), Elisabeth von Samsonow (Professorin für philosophische und historische Anthropologie der Kunst, Akademie der bildenden Künste Wien), Erhard Schüttpelz (Professor für Medientheorie, Universität Siegen), Gabriele Schwab (Professorin für Vergleichende Literaturwissenschaft, University of California/Irvine).
Moderation: Irene Albers, Anselm Franke

19 h Reclaiming Animism | Den Animismus zurückgewinnen
Isabelle Stengers, Lecture
(Simultanübersetzung englisch – deutsch)
„Rückgewinnung“ bedeutet, einzufordern, wovon wir getrennt wurden, wenn auch nicht im einfachen Sinne, dass man zurück erhält, was man „verloren“ hat, sondern von jener Trennung zu genesen und das zu „regenerieren, was eben jene Trennung vergiftet hat“. Wie kann ein Denken, wie eine Wissenschaft beschaffen sein, die den Animismus im komplexen Gefüge des „Wissen Schaffens“ verhandelt? Welche Möglichkeiten öffnen sich, wenn wir die Voraussetzungen des Denkens und die „Gegenstände“ der Wissenschaft als radikal verhandelbare in Bewegung halten?
Isabelle Stengers ist Professorin für Wissenschaftsphilosophie an der Université Libre de Bruxelles

20 h The speech of things and the commonwealth of breath
David Abram, Lecture
(Simultanübersetzung englisch – deutsch)
Animismus bietet die Möglichkeit, in Übereinstimmung mit dem spontanen Dasein unserer Sinne zu sprechen. Wenn wir die eigenständige Aktivität und Eloquenz von Dingen anerkennen (seien es Kreaturen, Artefakte, trockene Flussbetten, Windstöße oder gesprochene Worte), wecken wir unsere kreatürlichen Sinne aus einer Art Schlummer. In dieser Weise zu sprechen (und empfinden) zu lernen, ist eine Geste der Demut, eine Praxis, die den Geist zurück zum Körper ruft und den Körper in eine dynamische Beziehung zur mehr-als-menschlichen Gemeinschaft irdischer Dinge einbindet.
David Abram ist US-amerikanischer Kulturökologe, Philosoph und Direktor der Alliance for Wild Ethics (AWE), New Mexico.

21 h Im Gespräch: Isabelle Stengers und David Abram
Moderation: Anselm Franke

Die Teilnehmer der Konferenz.

Begleitend zum Projekt erscheint die Publikation „Animismus – Revisionen der Moderne“, hrsg. v. Irene Albers und Anselm Franke, diaphanes Verlag 2012.

Konferenz Tag 1 | Tag 2