Di, 21. September 2010

Mahmud Doulatabadi (Iran)

Über die Abgründe der Angst und des Todes

Mahmud Doulatabadi | Foto: © Unionsverlag

Mahmud Doulatabadi | Foto: © Unionsverlag

Der Kummer schafft die Poesie, sagt Mahmud Doulatabadi, 1940 geborener Grandseigneur der persischsprachigen Literatur, mit einem Wort Dostojewskis. Doulatabadis zuletzt auf Deutsch erschienener Roman „Der Colonel“ ist ein nachtschwarzes, regennasses Buch der Angst und des Todes, die erste große literarische Verarbeitung der iranischen Revolution von 1979 und ihrer Folgen, die in der Heimat des Autors bislang nicht veröffentlicht werden durfte.

Die Handlung des Buches, die wie auf den Gemälden der alten niederländischen Meister sich aus dem Dunkel herausschält, umfasst nicht einmal 24 Stunden, und doch gelingt es Mahmud Doulatabadi, in diesem atmosphärisch wie sprachlich dichten Roman, das mentale Porträt eines Landes zu zeichnen, das am Rande des Abgrunds steht und in einem Labyrinth aus alptraumhaften Ausnahmesituationen gefangen ist. Nichts ist in diesem Buch eindeutig, alles zweischneidig, ein jeder Täter und Opfer. Und das ist es, was Mahmud Doulatabadis von Bahman Nirumand übersetzten Roman "Der Colonel" auch so besonders macht: Dass dieses von großer Dringlichkeit getragene Buch weit über iranspezifische Momente hinausweist, weil es ihm um die großen Fragen der Menschheit zu tun ist: Wie kann man sich von der Niedertracht, die einen umgibt, befreien, wenn man selbst mit seinem ganzen Dasein, in der Niedertracht gefangen ist? Wie ist ein Mensch fähig, etwas zu tun, was er aus tiefstem Herzen verachtet, und welche Mechanismen treiben ihn dazu, es dennoch zu tun? Fragen, auf die Mahmud Doulatabadi eine Antwort zu finden versucht.


MODERATION: Barbara Wahlster SPRECHER: Bahman Nirumand


In Kooperation mit dem Berliner Künstlerprogramm des DAAD im Rahmen des 10. internationalen literaturfestivals berlin