Gespräch

Angola, Namibia, Südafrika: Aufbrüche in Unabhängigkeit und Demokratie

Sa 21.2.2009
18h
Eintritt frei

Andreas Eckert, Afrikanische Geschichte an der Humboldt-Universität Berlin, Mueni wa Muiu, Winston Salem State University (North Carolina) und Jihan El-Tahri, Filmemacherin (Paris), im Gespräch mit Manthia Diawara, Africana Studies (New York)

Der Zusammenbruch der Sowjetunion und das Ende der Blockkonfrontation 1989 hat in Afrika unmittelbare Konsequenzen: In der Konkurrenz um Einflusszonen und Bündnispartner war bisher über die Brutalität des südafrikanischen Regimes ebenso hinweg gesehen worden wie über die Menschenrechtsverletzungen in anderen Regionen. Das ändert sich nun. Das Apartheidsregime verliert seine Unterstützer, schon im folgenden Jahr wird der Afrikanische Nationalkongress ANC legalisiert, Nelson Mandela aus der Haft entlassen, Namibia unabhängig. Die Einparteiensysteme werden geschwächt, der Abstieg der „starken Männer“ wie Mobutu Sese Seko, Mengistu Haile Mariam oder Moussa Traoré beginnt. Auch die von Kuba gestützte angolanische Befreiungsorganisation MPLA gerät unter Druck. Fidel Castro befiehlt den Abzug seiner Truppen aus Afrika. Nach 1989 wurden „Zivilgesellschaft“, „Modernisierung“, „Demokratisierung“ zu Modewörtern. Doch der Aufbruch von 1989, so Manthia Diawara, war zugleich der Übergang in eine Phase der Ignoranz der USA und Europas gegenüber Afrika, das auch von ihnen nur noch als Rohstoffquelle wahrgenommen wird. Am Beispiel von Filmen wie „Cuba: An African Odyssey“, „Blood Diamonds“ oder Aduakas „Ezra“ zeigt er die Linie der Re-Präsentation Afrikas bis heute: Afrika-Pessimismus und religiöser Fundamentalismus auf der einen, Afrika-Optimismus durch Modernisierung und neues Selbstbewusstsein auf der anderen Seite.

Andreas Eckert spricht über die Bedeutung des Kampfs gegen die Apartheid und Mueni Wa Muiu über die Entwicklung in Kenia und Simbabwe.


Außerdem:

Cuba, an African Odyssey (Film) Sa 21.2., 21 h und Fr 27.2. 20 h Mehr ...


Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Gespächs

Manthia Diawara, Professor für Vergleichende Literatur- und Filmwissenschaft, New York. Leitet den Fachbereich Africana Studies an der New York University. Mit „African Cinema: Politics and Culture” (1985/1992), „Black American Cinema“ (1993) und „In Search of Africa“ (1998) verfasste er bahnbrechende Werke der Black Cultural Studies. Diawara gründete die zweisprachige Zeitschrift Black Renaissance/Renaissance Noire, für die er heute noch als Redakteur arbeitet. Er führte Regie bei zahlreichen Filmen. Gemeinsam mit Ngûgî wa Thiong’o drehte er den Dokumentarfilm „Sembène Ousmane: The Making of the African Cinema“ (1993). Sein Film „Conakry Kas“ (2003) erhielt 2005 den Grand Prix for Documentary beim FESPACO und 2005 den Golden Dhow des Zanzibar International Film Festival.


Andreas Eckert, Professor für Asien- und Afrikawissenschaften, Berlin. Studierte von 1985-90 Geschichte, Französisch und Journalistik in Hamburg, Yaoundé/Kamerun, Aix-en-Provence; 1995 Promotion an der Universität Hamburg. Seit 2007 ist er Professor für die Geschichte Afrikas an der Humboldt-Universität zu Berlin, seit 2008 Geschäftsführender Direktor des Instituts für Asien- und Afrikawissenschaften. Er lehrt und forscht zur Geschichte Afrikas im 19. und 20. Jahrhundert sowie zu Fragen des Kolonialismus, der Historiografie, der Arbeit und Globalisierung. Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher. Zuletzt erschien „Vom Imperialismus zum Empire - Nicht-westliche Perspektiven auf die Globalisierung“ (hgg. mit Shalini Randeria, 2009).


Mueni wa Muiu, Dozentin für Politikwissenschaft, Winston-Salem. Studierte Politikwissenschaft und Afrikanistik an der Howard University, Washington, D.C. und ist heute Dozentin an der Winston-Salem State University, North Carolina/USA. Ihre Artikel erschienen in African & Asian Studies, der African Studies Review und dem Journal of Third World Studies. Sie ist Autorin von „The Pitfalls of Liberal Democracy” und „Late Nationalism in South Africa” (2008). Gemeinsam mit Guy Martin veröffentlichte sie im Januar 2009 „A New Paradigm of the African State: Fundi wa Afrika”.


Jihan El-Tahri, Autorin und Filmregisseurin, Frankreich. Geboren 1963 in Beirut/Libanon. Zwischen 1984-90 arbeitete sie als Korrespondentin der Nahost-Politik. Seit 1990 dreht sie Dokumentarfilme zu politischen und sozialen Themen für ARTE, BBC u.a. El-Tahri führte bei über einem Dutzend Filme Regie, u.a. bei dem Emmy-nominierten Film „The House of Saud“. Ihr Film „The Price of Aid“ gewann 2004 den Europäischen Medienpreis, „Cuba: An African Odyssey“ wurde in Frankreich, Kanada, Angola und Venezuela ausgezeichnet. Für ihre Arbeit erhielt sie den British Television Award. El-Tahri veröffentlichte außerdem eine Biografie von Yassir Arafat („The nine Lives of Yasser Arafat“, 1997) und ein Buch zum Israel-Palästina Konflikt („Israel and the Arabs“, 1998).