So., 30. November 2008

Rumänien

DJ Pedro

DJ Pedro

Die Anfänge waren, wie in so vielen Ländern des ehemaligen sozialistischen Europas, steinig. Wen in Rumänien Mitte der 1990er-Jahre Interesse und Leidenschaft für Techno und House packte, der musste zum Teil deutsche Fernsehsendungen (VIVA House, Mitte der Neunziger) mit dem Mikrofon mitschneiden, um an die Musik und Informationen zu kommen, oder „mit dem Zug 18 Stunden nach Budapest fahren“ (DJ Rhadoo), um eine Platte zu kaufen. Magazine wie die deutsche „Groove“ wurden wie eine Bibel studiert und auswendig gelernt, noch heute bestellt der Großteil der DJs seine Platten in Deutschland oder England, denn Spezial-Läden gibt es keine. Dennoch sträuben sich viele gegen die Digitalisierung und halten ihren Vinylschallplatten die Treue.

Nachdem zunächst britische DJs einen voluminösen, weichen Sound namens Progressive House zur Einheitswährung gemacht hatten, fand „Groove“-Chefredakteur Heiko Hoffmann auf seiner Reise 2007 ins frisch gebackene EU-Mitgliedsland eine Szene vor, die sich vor allem mit dem Term Minimal identifiziert. „Darunter läuft eigentlich alles was nicht Progressive House oder Drum’n’Bass ist“, fasst Catalin zusammen, als DJ und Veranstalter der wohl wichtigste Aktive in Bukarest, der wertvolle Arbeit beim Kontakt mit internationalen DJs wie Sven Väth, Ricardo Villalobos, Kenny Larkin oder Hell leistete und beim Anschluss seiner Szene an das internationale Niveau. Bukarest ist zwar für „Reader’s Digest“ die unfreundlichste Stadt Europas, ihre frische und neugierige Techno-Szene aber verkündet eine andere Botschaft.


DJ Pedro

Ibiza liegt für Rumänen näher als England oder Frankfurt, und im Sommer findet beides zumindest nach Techno-Gesichtspunkten ohnehin auf der Baleareninsel statt. Also verbringt Pedro alias Petre Inspirescu häufig seine Sommer dort. Mit Charme und Schnauze hat er sich dort mittlerweile eine feste Stelle im DC10 erobert. Gemeinsam mit seinen DJ-Freunden Rhadoo und Raresh hat er das Label (a:rpia:r) gegründet.


DJ Boola + Demos

Auf dem lautsprachmalerischen Label (a:rpia:r) erschienen inzwischen Tracks von Boola and Demos, Vertreter der zweiten Generation der rumänischen Techno-Szene, die zwischen Techno und House keinen tiefen Graben ziehen, solange es „minimal“ klingt. Auch sie verdienten ihre DJ-Sporen auf Partys in Ibiza, im DC10 oder als Warm-up für durchreisende Idole. Ein Album von Boola ist im kommenden Jahr auf dem britischen Label Rekids zu erwarten.


DJ Praslea

Praslea begann seine Affäre mit Techno und House vor vier Jahren auf den frühen elektronischen Partys in seiner Heimatstadt Sibiu. Heute eröffnet er mit seinen Sets für die Bukarester Gastspiele von Richie Hawtin, Luciano, Ellen Allien oder Matthew Dear und spielte selbst bereits in Italien, Slowenien und Deutschland. Weitere Beiträge zum emsigen Netzwerk der rumänischen Szene leistete er mit der Gründung von Audiomatic Net Radio, einer Online-Plattform für DJ-Sets.


After-After-Party mit: DJ Rhadoo www.myspace.com/rhadoomusic

DJ Petre Inspirescu www.de-bug.de/mag/5550.html www.arpiar.ro www.myspace.com/radukit

DJ Boola


Lineup: Heiko Hoffmann / Groove www.groove.de