Sa, 20. September 2008

Kleine Pfade - Verschränkte Geschichten

Zeugnis und Dokument - Eingreifen und aufzeichnen - Wessen Erinnerung? - Was durch das Sichtbare unsichtbar gemacht wird

René Vautier | Foto: Cinémathèque de bretagne

René Vautier | Foto: Cinémathèque de bretagne

Zu Gast: Youssef El Ftouh


Le remords

R: René Vautier, Frankreich 1973, 11 min, frz. OF

Ein fiktiver Essay über das aktivistische Kino. Entwickelt an den Reflexionen eines Regisseurs – René Vautier selbst –, der zum Zeugen von Alltags-Rassismus wird: "Ich werde einen Film über die Tatsache machen, dass ich unmittelbar jetzt nichts machen konnte.“


Mémoire 14

R: Ahmed Bouanani, Marokko 1971, 30 min, 35 mm, frz. OF

Filmische Dokumente (1912 bis 1953), die sich im 1944 von den Franzosen gegründeten Centre Cinématographique Marocain (CCM) finden, nach dem Ende des Kolonialregimes neu montiert: “Hast du nicht das gesehen, was ich gesehen habe?“


Prises de Vue

Archives de la planète, Frankreich 1912, ca. 8 min, stumm

Ansichten aus Marokko von 1912: Koloniale Truppen und Marketenderinnen.

Der Pariser Bankier Albert Kahn gründete die Archives de la planète (1908 bis 1931), "um die Oberfläche des vom Menschen bewohnten und gestalteten Globus zu dokumentieren“. Darin finden sich 4.000 stereoskopische Platten, 7.200 Autochrome und 183.000 Filmmeter.


Les événements au Maroc

P: Pathé, Frankreich 1907, ca. 10 min, 35 mm, stumm

Aufnahmen vom 18. August 1907 als französische Truppen in Casablanca einmarschierten: die Anfänge der französischen Okkupation.


Afrique 50

R: René Vautier, Frankreich 1950, 20 min, Beta, frz. OF

1949 erhielt René Vautier von der "Ligue de l'Enseignement" den Auftrag, einen Film zu machen, der zeigen sollte, "wie die DorfbewohnerInnen im französischen Westafrika leben". Aus diesem Projekt wird über große Umwege eine Analyse der Repressions- und Ausbeutungsverhältnisse und eine Evokation des anti-kolonialen Widerstands. Ein Film, den es wegen der Zensur bis in die 1990er-Jahre offiziell gar nicht gegeben hat.