Konferenz: Vorträge, Diskussionen, Konzert

Hijacking Memory: Tag 3

Der Holocaust und die Neue Rechte

Sa 11.6.2022
Eintritt frei

Auf Deutsch und Englisch, jeweils mit Simultanübersetzung in die andere Sprache

Weiteres Konferenzprogramm:

Do 9.6.2022
Fr 10.6.2022
So 12.6.2022

Wir empfehlen das Tragen einer FFP2-Maske. Mehr Informationen

Foto: Peter Hapak (2021)

10–12.15h
The Hidden Agenda: The Holocaust in Israel between Tragedy and Strategy
Avraham Burg
Holocaust Singularity and German National Identity
Omri Boehm
Antisemitism in History and Politics
Omer Bartov

Antisemitismus lässt sich nur über die Zusammenhänge zwischen seinen historischen Wurzeln und modernen Erscheinungsformungen begreifen. Weil auf antisemitische Argumente stets Gegenargumente folgten, hat der Anti-Antisemitismus eine ähnlich lange und facettenreiche Geschichte. Beide haben im Laufe der Zeit für verschiedene Menschen Unterschiedliches bedeutet, wurden wiederholt für politische Zwecke instrumentalisiert, und voneinander abhängig. Lange bevor es Antisemitismus als Begriff gab, spielten antijüdische Einstellungen eine Rolle dabei, wie Juden und Jüdinnen von anderen wahrgenommen wurden, wie sie mit der Welt interagierten und sich selbst wahrnahmen. Umgekehrt bekommt anti-antisemitische Rhetorik immer dann Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit, wenn sie die Öffentlichkeit von der realen und gegenwärtigen Gefahr des Antisemitismus überzeugen kann.

Vorträge mit anschließender Diskussion und Q&A, moderiert von Susan Neiman
Auf Englisch

13.45–15.15h
Vortrag
Tareq Baconi
British Jews and the Psychodrama of the Corbyn Years
Rachel Shabi
Vorträge mit anschließender Diskussion und Q&A, moderiert von Daniel Levy
Auf Englisch

15.45–17.45
Hijacked from the Centre: Holocaust Memory in Britain
David Feldman

Als der Abgeordnetenrat der britischen Juden und Jüdinnen vor vierzig Jahren auf dem Parlamentsgelände ein Holocaust-Mahnmal errichten wollte, tat die britische Regierung unter Margaret Thatcher den Vorschlag gleichgültig ab. Laut Außenminister Lord Carrington hatte es nichts mit Großbritannien zu tun. Heute hingegen setzen sich sowohl die konservative Regierung, die Labour Partei als auch die Liberal Democrats dafür ein, ein Holocaust-Mahnmal neben dem Parlament zu errichten. Der Holocaust ist außerdem das einzige verpflichtende Thema im nationalen Geschichtslehrplan für Schüler*innen im Alter von 13 bis 14 Jahren. Feldmann untersucht und erklärt diesen Wandel in der Holocaust-Erinnerung: Wie kann es sein, dass in Großbritannien, wo der Antirassismus aktuell die Öffentlichkeit spaltet, der Kampf gegen den Antisemitismus die politische Klasse wie kaum etwas anderes eint?

Whitening of the Jews and Misuse of Holocaust Memory
Gilbert Achcar
Dubious Benevolence: The Holocaust and the Extreme Right in France and Italy
Diana Pinto
Vorträge mit anschließender Diskussion und Q&A, moderiert von Carinne Luck
Auf Englisch

18.15h
Sentiment, Seduction, Soreness: Countering the Right with Holocaust Comedy
Susanne Rohr
Vortrag mit anschließender Q&A, moderiert von Miriam Rürup
Auf Englisch

In ihrem Vortrag spricht Susanne Rohr über die jüngsten Entwicklungen eines hochsensiblen Genres, das der Philosoph Slavoj Žižek als „Lagerkomödie“ oder „Holocaust-Comedy“ bezeichnet hat. Welche Bedeutung hat ein grundlegender Tabubruch für die künstlerische Arbeit? Erzwingt ein anfänglicher Tabubruch ständig weitere Grenzüberschreitungen und Tabubrüche? Oder löst die Provokation eher den Wunsch nach Versöhnung und Linderung aus? Susanne Rohr bespricht diese und andere Fragen im Kontext des weltweit erstarkenden Rechtsextremismus.

19–20h
Andere (Täter-)Länder, andere Sitten?
Hanno Loewy und Eva Menasse im Gespräch
Auf Deutsch

In Sachen Vergangenheitsaufarbeitung könnten die Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich kaum größer sein – im Grunde hat Österreich kollektiv erst mit der Affäre Waldheim 1986 das eigene bequeme Geschichtsbild als „erstes Opfer Hitlers“ zu hinterfragen begonnen. Was bedeutet das für die Gegenwart? Zwar holen rechtsextreme Parteien in Österreich regelmäßig bis zu 25 Prozent, dafür scheint es kaum gewaltbereite Rechtsextreme zu geben. Und wie steht das offizielle Österreich zum Nahost-Konflikt? Immerhin war Bruno Kreisky nicht nur der einzige jüdische Bundeskanzler, sondern ein dezidierter Unterstützer der Palästinenser*innen. Lange her: Heute beschwört die Wiener Politik das „christlich-jüdische Abendland“ gegen „den Islam“. Über Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den Nachbarländern diskutieren Hanno Loewy und Eva Menasse.

21h
Konzert
Daniel Kahn & Yeva Lapsker

Der in Detroit geborener Troubadour bestreitet ein radikales Programm mit neuen und alten Liedern, geschmuggelt über die Grenzen von Jiddisch, Englisch, Russisch, Deutsch, Vergangenheit und Zukunft. Eine zeitgemäße Sammlung aus brüchigen Balladen, windschiefem Klezmer, Gefängnislamentos, Revolutionshymnen und apokalyptischem Blues. Das Programm wird begleitet und geziert von projizierten Bildern und Übertiteln von der Videokünstlerin und Übersetzerin Yeva Lapsker.

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Hijacking Memory: Tag 1

Der Holocaust und die Neue Rechte

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9.6.2022

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Konferenz: Vorträge, Diskussionen, Screening

10.6.2022

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Der Holocaust und die Neue Rechte

Konferenz: Vorträge, Diskussionen, Performance

12.6.2022