Konferenz: Vorträge, Diskussionen, Screening

Hijacking Memory: Tag 2

Der Holocaust und die Neue Rechte

Fr 10.6.2022
Eintritt frei

Auf Deutsch und Englisch, jeweils mit Simultanübersetzung in die andere Sprache

Weiteres Konferenzprogramm:

Do 9.6.2022
Sa 11.6.2022
So 12.6.2022

Wir empfehlen das Tragen einer FFP2-Maske. Mehr Informationen

Foto: Peter Hapak (2021)

10–11.30h
Von der Verleugnung des Holocaust zum Bekennen. Über Rechte in KZ-Gedenkstätten und Erinnerungskultur
Volkhard Knigge
Desiring Victimhood: German Self-Formation and the Figure of the Jew
Hannah Tzuberi
Vorträge mit anschließender Diskussion und Q&A, moderiert von Stefanie Schüler-Springorum
Auf Deutsch und Englisch

11.30–13h
Der Holocaust und die deutschen Leitmedien nach 1945
Lutz Hachmeister

Bundesdeutsche Leitmedien haben sich selbst gern als Hüter*innen von Demokratie und Grundgesetz dargestellt – beaufsichtigt zunächst durch alliierte Presseoffizier*innen. Tabuisiert wurde dagegen ein antisemitischer Subtext in vielen Artikeln der Nachkriegszeit, der sich etwa gegen jüdische „displaced persons“ richtete. Lutz Hachmeister gibt dafür Beispiele aus Spiegel, FAZ und Süddeutscher Zeitung und beleuchtet die besondere Rolle des Springer-Verlags. Zudem wird die Rolle von NS-Seilschaften in der westdeutschen Presse nach 1945 thematisiert.

Wie die AfD über Holocaust, Jüdinnen und Juden und Israel spricht – und schweig
Joseph Croitoru

Der Diskurs der AfD hat sich zunehmend demjenigen der rechtsextremen NPD angenähert. In öffentlichen Äußerungen zu Holocaust, Israel, Jüdinnen und Juden grenzt sie sich von der NPD zwar ab, laut AfD-Aussteiger*innen werden intern aber auch ganz andere Töne angeschlagen. Öffentlich ist die AfD bei diesen Themen um eine gewisse Nähe zum allgemeinen Konsens bemüht. Der Holocaust wird nicht geleugnet, jedoch für unbedeutend erklärt. Antisemitismus wird verurteilt und Judenfreundlichkeit demonstriert, aber in eigenen Verschwörungstheorien werden einflussreiche Jüdinnen und Juden in kodierter Form als Feind*innen markiert. Der Ruf nach bedingungsloser Solidarität mit Israel dient der AfD auch zur Zementierung eines islamfeindlichen Weltbildes.

Vorträge mit anschließender Diskussion und Q&A, moderiert von Stefanie Schüler-Springorum
Auf Deutsch

14.30h
Anti-Zionism Can Be Anti-Semitic. Zionism Too
Peter Beinart und Daniel Cohn-Bendit im Gespräch
Auf Englisch

Es gibt keine zwangsläufige Verbindung zwischen Antizionismus und Antisemitismus, weder theoretisch noch empirisch. Tatsächlich legen Belege nahe, dass in den USA Zionist*innen eher antisemitische Ansichten vertreten als Antizionist*innen, sofern man einer traditionellen Auffassung von Antisemitismus folgt. Das ist wenig überraschend, denn wenn man Juden und Jüdinnen nicht in seinem Land haben will, kann es helfen, wenn sie ein separates Land haben. Und wer findet, eine vorherrschende Ethnie, Religion oder rassifizierte Gruppe solle gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen gesetzlich privilegiert sein, findet Juden und Jüdinnen im Land problematisch, da sie als Minderheit oft gegen solche gesetzlichen Diskriminierungen protestieren. Doch Israel mögendiese Menschen bewundern, weil es ein Modell für gesetzliche Verankerungen solcher Hierarchien darstellt. Das erklärt, weshalb es für viele rechtsextreme Führungspersonen nur konsequent erscheint, im eigenen Land den Antisemitismus zu befeuern und gleichzeitig Israel zu verherrlichen.

15.30–16.45h
American Israels: Christian Zionism in Comparative-Historical Perspective
Philip S. Gorski
Hijacking Holocaust Memory as a Dehumanizing Practice
Lewis R. Gordon
Vorträge mit anschließender Q&A, moderiert von Susan Neiman
Auf Englisch

17.15–18.30h
James Baldwin and the Politics of Holocaust Exceptionalism
Ben Ratskoff

Die jüngsten Debatten über heutigen Rassismus und nationale Erinnerungskulturen wurden zum Teil ausgelöst durch die globalen Bewegungen gegen das anti-Schwarze Vorgehen der Polizei. Sie stellten die historiografische Annahme in Frage, der Holocaust sei grundlegend anders als andere Formen rassifizierter Gewalt. Ebenso hinterfragten sie die Ritualisierung der Holocaust-Erinnerung. James Baldwins lange und ambivalente Auseinandersetzung mit der Rolle des Holocaust in der antirassistischen Politik der Nachkriegszeit und vor allem im Kampf gegen anti-Schwarzen Rassismus in den Vereinigten Staaten zeigt, dass dominante und institutionalisierte Formen von Holocaust-Geschichtsschreibung und -Erinnerung antirassistischen Aktivismus neutralisieren können, und dazu beitragen, den Status quo zu erhalten.

Baldwin, BLM, and “Black Antisemitism”
Vortrag und anschließendes Gespräch mit Ben Ratskoff, Hannah Black, René Aguigah, moderiert von Emily Dische-Becker
Auf Englisch

18.45h
Boycott
R: Julia Bacha, Produzent*innen: Suhad Babaa, Daniel J. Chalfen, USA 2021, 70 min, englische OV mit englischen UT
Filmscreening, anschließend Diskussion mit Suhad Babaa, Peter Beinart, Lothar Zechlin
Auf Deutsch und Englisch

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9.6.2022

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Konferenz: Vorträge, Diskussionen, Konzert

11.6.2022

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Konferenz: Vorträge, Diskussionen, Performance

12.6.2022