So, 23. August 2020

Space for Listening

Mit Lyra Pramuk, Lamin Fofana, Hüma Utku und Ramsha

Lyra Pramuk | © George Nebieridze

Lyra Pramuk | © George Nebieridze

Mehr Platz zwischen einander schaffen, den Hörraum größer werden lassen und das Gebiet, in dem es sich still und aufmerksam zuhören lässt – miteinander. So können Künstler*innen mit ihrem Sound neue Bereiche erschließen, zu Reisen und Erkundungstouren einladen. Es ist höchste Zeit, genau hinzuhören, die umgebenden Strukturen und Abläufe beachten, verschiedenen Perspektiven Beachtung zu schenken und sich so auf Veränderungen einzulassen. Sich dem Zuhören öffnen.

Kuratiert von Andrea Goetzke

Lyra Pramuk

Lyra Pramuk hat bereits mit Holly Herndon und Colin Self zusammengearbeitet und lässt wie diese beiden der Stimme eine tragende Rolle in ihrer Musik zukommen. Die in Operngesang ausgebildete Sängerin nutzt ausnahmslos Aufnahmen ihres eigenen Gesangs als Grundlage für vielschichtige und kompositorisch komplexe Stücke. Auf ihrem kürzlich veröffentlichten Debütalbum Fountain streift sie so klassischen Pop und zeitgenössische Club-Motive ebenso wie sie sich in avantgardistische Traditionen einreiht.

Lamin Fofana | © Taliesin Gilkes Bower

Lamin Fofana | © Taliesin Gilkes Bower

Lamin Fofana

Ambient wird gerne als Wandtapetenmusik abgetan. Lamin Fofana aber nutzt satte Texturen und sich langsam entfaltende Dynamiken als Diskursgrundlage. Seit seinem Debüt im Jahr 2010 setzt sich der vielseitige Künstler immer wieder mit sozialpolitischen Themen wie strukturellem Rassismus auseinander. Fofanas jüngstes, von Amiri Barakas Blues People inspiriertes Album Blues komplettierte eine Trilogie, die sich mit den Schriften Schwarzer Autor*innen auseinandersetzt.

Hüma Utku | © Oscar Rohleder

Hüma Utku | © Oscar Rohleder

Hüma Utku

Hüma Utku bringt mit ihrer Musik die Luft zum Klirren. Nachdem sie bereits unter dem Pseudonym Roads At Night auf der vielbeachteten EP Şeb-i Yelda das Spannungsfeld zwischen wuchtigen elektronischen Bässen und melancholischen Momenten erkundet hatte, perfektionierte sie ihren Ansatz letztes Jahr mit der LP Gnosis. Abstrakter Techno trifft darauf auf traditionelle Instrumente aus dem arabischen Raum und Chorgesänge, experimentelle Formen und bewährte Ausdrucksweisen.

Ramsha | © Promo

Ramsha | © Promo

Ramsha

Mächtige geschichtete Drones, gespenstische Field Recordings, dröhnender Noise, Chorelemente und zuletzt sogar schallende Orchesterklänge – all das durchläuft das Stück Hymns For Midnight in gerade einmal achteinhalb Minuten. Zu finden ist es auf der kürzlich über Chinabot veröffentlichte Compilation HKH Cryosphere. Die Klangkünstlerin und interdisziplinär arbeitende Designerin Ramsha Shakeel stellt damit ihre Poetologie vor: Ihr Ansatz ist vielseitig, die Resultate hochgradig intensiv.