Fr, 24. Juli 2020

Spell Reel | Memory Also Die

R: Filipa César, Deutschland/Portugal/Frankreich/Guinea-Bissau 2017, 96 min, OmE | R: Didi Cheeka, Nigeria 2020, 6 min, Stumm, engl. UT

Spell Reel, Filmstill | Quelle: Arsenal

Spell Reel, Filmstill | Quelle: Arsenal

Spell Reel

R: Filipa César, Deutschland/Portugal/Frankreich/Guinea-Bissau 2017, 96 min, OmE

Das erste Bild ist schwarz-weiß, steht kopf und wird in eine Blackbox projiziert, die zum Bildraum wird. Wie eine Zeitkapsel schwebt es nun neben dem Gesicht eines Mannes. Er blickt nach unten, lauscht der Stimme einer Guerillakämpferin, übersetzt sie aus dem Fulfulde. Filipa Césars Spell Reel ist das Ergebnis eines vielschichtigen Recherche- und Digitalisierungsprojekts, das sie 2011 mit Sana na N’Hada und Flora Gomes initiierte. Beide haben nach ihrer Filmausbildung in Kuba während der Befreiungskämpfe in Guinea-Bissau (1963–74) damit begonnen, die Kamera als Beobachter einzusetzen. Nach der Digitalisierung des gealterten Bild- und Tonmaterials in Berlin reisten sie mit einem Wanderkino an die Orte, an denen die Filme entstanden waren und nun erstmalig öffentlich gezeigt und von den Filmemacher*innen kommentiert werden konnten. Spell Reel sieht einem Archiv bei der Arbeit zu, bei der Produktion von Gegenwart. (Stefanie Schulte Strathaus, gekürzt)

Memory Also Die, Filmstill | Quelle: Arsenal

Memory Also Die, Filmstill | Quelle: Arsenal

Memory Also Die

R: Didi Cheeka, Nigeria 2020, 6 min, Stumm, engl. UT

Memory Also Die ist der Beginn einer Trilogie, die Erinnerung als politisches Tabu in den Mittelpunkt stellt. Vor 50 Jahren, mit dem Biafra-Krieg, entstand das kollektive Trauma, das den Tod der Erinnerung in Nigeria verantwortet. Mit Archivfilmmaterial und persönlichen Texten geht der Film von der alten Idee aus, dass das Persönliche politisch ist – in dem Sinne, dass das kollektive Vergessen ein politisch gewollter Vorgang ist. Die 1970er-Jahre nach dem Biafra-Krieg waren eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs, geprägt von einer seltsamen Mischung aus Optimismus, Träumen und Vorwärtsstreben einerseits und von Niederlage, Desillusionierung und Verzweiflung andererseits. Es war auch eine Zeit des Schweigens, der Migration und des Exils im Vergessen. Die offizielle Geschichtsschreibung förderte das kollektive Schweigen, das kollektive Vergessen sowie das kollektive Wegdriften von der Erinnerung.