So, 24. November 2019

Interdependent Music

Holly Herndon & Mat Dryhurst

Neue Infrastrukturen für Musik sind bitter nötig. Sie sollten widerständig, kostenlos und realisierbar sein – und Künstler*innen sollten sie selbst aufbauen. Niemand wird mehr in einem Ausmaß für Musik zahlen, das ausreicht um subkulturelle Szenen am Leben zu erhalten. Möglicherweise wird der neue Plattformkapitalismus die herkömmlichen Label- und Vertriebsmodelle beseitigen. Vom Musik-Geschäft profitieren dann nur noch diejenigen, die die Anforderungen der Playlist-Algorithmen am gehorsamsten bedienen. Andere brauchen die Förderung durch große Marken, die ihrerseits Wege in noch unbesetzte Marktsegmente suchen. Sind das die Alternativen: Playlist-kompatible Berieselungsmusik oder Nischenmärkte bedienende Markenpartnerschaft? Hat die Logik der Independent-Kultur gewonnen und sich damit selbst abgeschafft, dass sie lauter individuelle, selbstständige Kleinunternehmer*innen hinterlassen hat?

Seit einiger Zeit schon wälzen Holly Herndon und Mat Dryhurst diese Fragen. Eine erste Erkenntnis: Kreative sollten sich ihrer wechselseitigen Abhängigkeiten bewusst werden und diese in Handlungsfähigkeit verwandeln. Bei Right the Right stellen Herndon und Dryhurst ihr längerfristig angelegtes Forschungsprojekt vor – im Fokus stehen dabei die Potenziale genossenschaftlicher Organisation, kollektiv verwaltete Räume und gleichberechtigter Vergütungsmodelle für die elektronische Clubszene. Die Ergebnisse präsentieren sie im Herbst 2020 im HKW.