Do, 16. Januar 2020

#3 Coding

Mit Urvashi Aneja, Sarah Sharma, Felix Stalder

Surveyor, Color Pencil, Archival Pigment Prints 2013 | © Rohini Devasher

Surveyor, Color Pencil, Archival Pigment Prints 2013 | © Rohini Devasher

Tag 1 | Tag 2

Indien ist eine der weltweit größten „digitalen Volkswirtschaften“. Die digitalen Infrastrukturen stehen unter staatlicher Kontrolle oder werden von privatwirtschaftlichen Konzernen beherrscht. Unter diesen Bedingungen hat sich eine „Gig Economy“ mit einer Fülle temporärer Arbeitsverhältnisse herausgebildet. Entstanden sind plattformbasierte Wirtschaftsmodelle, die neue Möglichkeiten für Unternehmer*innen und neue Arbeitsformen versprechen. Gleichzeitig werden KI-basierte Lösungen getestet, mit denen sich in allen Wirtschaftszweigen menschliche Interaktionen und Arbeitskraft bei wiederhol- und vorhersehbaren Aufgaben ersetzen lassen. Mehr als eine Milliarde Identitäten sind in Indien heute bereits digital erfasst und über 100 Millionen von ihnen sind als Konsument*innen täglich in die digitale Wirtschaft eingebunden. Mit dem Versprechen sozio-technischer Zukünfte verfolgt die Regierung die Absicht, diese Diskrepanz zu überwinden, um möglichst viele Menschen an der Digitalwirtschaft teilhaben zu lassen. Technologiebasierte Lösungen haben jedoch bislang zumeist bestehende Ungleichheiten und Machtgefälle im Hinblick auf Kapital, Gender und menschlichen Exzeptionalismus bestätigt und verstärkt. Anstatt für Verantwortlichkeit und Zugang zu sorgen oder Chancen zu eröffnen, dienen diese sozio-technischen Fantasien der Macht und dem Kapital als Werkzeuge zur Gewinnung von Ressourcen und Konsument*innen. Während sich Länder und ihre Volkswirtschaften immer weiter beschleunigen und um attraktive Marktplätze konkurrieren bleiben ethische, soziale und ökologische Anliegen auf der Strecke. Wie lassen sich Nachhaltigkeit, Ethik und Fürsorge in techno-soziale Beziehungen und digitopische Zukunftsvorstellungen einschreiben? Welche Rolle könnten Governance und Bürger*innen bei der Umsetzung dieser Vorstellungen einnehmen?

Öffentliches Programm ko-kuratiert von Rahul Gudipudi
In Kooperation mit Goethe-Institut Max Mueller Bhavan New Delhi

Sarah Sharma: The Common Gig

Die Kulturwissenschaftlerin Sarah Sharma verortet den Aufstieg der Gig Economy als technologisches Phänomen, das normative Geschlechter-, Klassen- und Arbeitsbeziehungen verfestigt, geschlechtsspezifische Arbeitsteilung vertieft und das politische Potenzial für ein gemeinschaftliches Verständnis von Fürsorge in Frage stellt. Mehr Informationen auf Englisch hier...

Felix Stalder: De-Coding the Great Acceleration

Der Medien- und Kulturwissenschaftler Felix Stalder sieht in der zunehmenden Verbreitung digitaler Infrastrukturen und fortschreitender Umweltzerstörung mehr als eine bloße Korrelation. Mehr Informationen auf Englisch hier...

Urvashi Aneja: Labor Welfare in India’s Digital Economy

Tag 1 | Tag 2