Sa, 07. September 2019

Workshops: Das bleibt!

Ein Jahr nach dem NSU-Prozess sprechen die Nebenklägerinnen

Vom Urteil des NSU-Prozesses und dessen Bedeutung über aktuelle Entwicklungen wie NSU 2.0 und dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke bis zu rassistischen Übergriffen im öffentlichen Raum und Alltagsrassismen: Vier Workshops für Aktivist*innen, Fachkräfte der schulischen und außerschulischen Bildung, Expert*innen aus der politischen und künstlerischen Vermittlung und Jugendliche vertiefen die Inhalte der Gesprächsrunde mit den NSU-Nebenklägerinnen und fragen, was angesichts von Rassismus und den noch immer offenen Fragen aus dem NSU-Komplex zu tun ist. Nach einem gemeinsamen Auftakt mit einer performativen Lesung von Auszügen aus dem dokumentarischen Theaterstück Die NSU-Monologe der Bühne für Menschenrechte, erarbeiten die Workshop-Teilnehmer*innen in Kleingruppen mögliche und notwendige Strategien gegen die rassistische Spaltung der Gesellschaft.

Workshop 1
Mit İbrahim Arslan (Mitorganisator des Tribunals NSU-Komplex auflösen! und Überlebender des Brandanschlages in Mölln 1992)

Anhand von dokumentarischen Filmausschnitten und Interviews untersucht der Workshop die Kontinuität rechter und rassistisch motivierter Gewalt in Deutschland. Im Fokus steht die Perspektive von Betroffenen, anhand der sich nachvollziehen lässt, wie Rassismus wirkt und wie wichtig das Zuhören für solidarische Verbindungen ist.

Workshop 2
Mit Fritz Laszlo Weber (Mitglied der Initiative 6. April zur Erinnerung an Halit Yozgat und des Tribunals NSU- Komplex auflösen!)

Verdichtung und Verortungen: Am Beispiel Kassel fächern die Workshop-Teilnehmer*innen den NSU-Komplex auf. Zentral ist dabei die Trauerdemonstration Kein 10. Opfer, die Angehörige des Mordopfers Halit Yozgat am 6. April 2006 organisierten, und die widerständigen Praktiken der direkt Betroffenen. Anhand des konkreten Falles wird strukturell-institutioneller Rassismus sowie die Kontinuitäten vom NSU zum NSU 2.0 beleuchtet.

Workshop 3
Mit Katharina König (Politikerin, Mitglied des NSU-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtags)

Neben dem NSU-Prozess am Oberlandesgericht München gab es sogenannte parlamentarische NSU-Untersuchungsausschüsse, die mögliche Fehler in eigenen staatlichen Institutionen ermitteln sollten. Am Beispiel des Thüringer Ausschusses gehen die Workshop-Teilnehmer*innen der Frage nach, welches Wissen und welche Erkenntnisse aus dem Prozess gezogen wurden. Welche Folgen hatte er für Ermittlungsbehörden und den Verfassungsschutz? Welches zivilgesellschaftliche Engagement ist nach dem NSU 2.0 notwendig? Wie lässt sich solches Engagement auch zukünftig gestalten?

Workshop 4
Mit Mouctar Bah (Mitglied der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh)

Oury Jalloh verstarb am 7. Januar 2005 in einer Gewahrsamszelle des Polizeireviers Dessau-Roßlau. Die wegen Körperverletzung mit Todesfolge und fahrlässiger Tötung angeklagten Polizisten wurden freigesprochen. Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh kämpft für die Aufklärung dieses Falles und Gerechtigkeit. Gemeinsam mit den Workshop-Teilnehmer*innen gehen sie rassistischer Polizeigewalt und Racial Profiling nach.