Do, 07. November 2019

#2 Situating

Mit Liliana Angulo Cortés & Juan Rodrigo Machado Mosquera, Karin Harrasser, Natalie Loveless

Cascajal Island | © Grupo de Archivo y Memoria de la Comuna 6

Cascajal Island | © Grupo de Archivo y Memoria de la Comuna 6

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Wie lässt sich Wissen situieren, ohne in Relativismus zu verfallen? Wie die eigene Neugier verorten, ohne ausschließend, engstirnig oder identitätsfixiert zu handeln? Als methodologische Vorkehrung bezieht situiertes Wissen die eigenen Begrenzungen mit ein, ohne jedoch seinen Anspruch auf Objektivität aufzugeben. In Donna Haraways Lesart (Situated Knowledges, 1988) ist situiertes Wissen mit dem „strong program“ der Wissenschaftstheorie verwandt, das durch die Einbeziehung seiner Erkenntnisbedingungen beansprucht, nicht schwächeres, sondern robusteres Wissen zu produzieren. Die Einsicht in die Bedingtheit von Erkenntnis lässt allerdings die Anzahl der Elemente, die in den Forschungsprozess miteinbezogen werden, explodieren. Situiertes Wissen ist damit auch ein Gegenmodell zum Labor, das so viele Bedingungen wie möglich auszuschließen sucht. Situiertes Wissen ist schmutzig, unübersichtlich und engagiert oder – mit den Worten Marshall Sahlins – Teil einer „indigenisierten Moderne“.

Karin Harrasser, Kulturtheoretikerin und deutsche Übersetzerin Donna Haraways, stellt eine neue Lesart dessen vor, was situiertes Wissen nach sich zieht. Im Rückgriff auf ihre Forschung zu Extraktivismus und Kolonialismus in Südamerika verbindet sie Eroberung, Widerstand und Aneignung mit der Frage nach der Verortung und Verantwortung der eigenen Biografie und wissenschaftlichen Arbeit.

Gemeinsam mit dem Aktivisten Juan Rodrigo Machado Mosquera aus Buenaventura (Kolumbien) präsentiert die Künstlerin Liliana Angulo Cortés ihre künstlerische Strategie der Solidarität mit lokalen Protesten der afrokolumbianischen Bevölkerung gegen Landraub.

Natalie Loveless, Kunstwissenschaftlerin und langjährige Mitarbeiterin Donna Haraways, gibt einen Einblick in ihre Forschung zu situierter „research creation“ als kritische und emanzipatorische Praxis, um ein Leben jenseits ökologischer Krisen zu imaginieren.

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