Fr, 21. September 2007

Rechte und Werte im transatlantischen Transfer

Bruce Ackerman und Gertrude Lübbe-Wolff

Am 19. September 1957 wurde die Kongresshalle eröffnet. Als Geschenk der USA an Berlin im Kalten Krieg wurde das Gebäude zum Symbol sowohl einer transatlantischen Moderne als auch der gemeinsamen Ideen von Demokratie und Freiheit. 50 Jahre später: Spätestens seit dem zweiten Irak-Krieg oder Guantánamo sind Differenzen in den deutsch-amerikanischen Beziehungen offen zu Tage getreten. Jedoch gilt weiterhin: Gemeinsam ist man internationalen Konfliktsituationen ausgesetzt und mit globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel konfrontiert, gemeinsam muss man darum auch Lösungen finden. Und wenn Länder der ehemaligen Peripherie politisch und wirtschaftlich ins Zentrum rücken, stellt auch das die transatlantischen Beziehungen auf den Prüfstand. Prominente US-amerikanische und europäische Denker diskutieren die Potenziale des transatlantischen Verhältnisses und entwickeln Perspektiven der Verständigung. Eröffnet wird die Gesprächsreihe von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier.


Während in Kontinentaleuropa Jahrhunderte lang die Idee der „Freiheit durch den Staat“ dominierte, der den Rahmen für die individuellen Rechte zu garantieren habe, proklamiert die US-amerikanische Auffassung die „individuelle Freiheit gegenüber dem Staat“, von Glaubensfreiheit bis zum Recht auf Waffenbesitz. Sind die unterschiedlichen Auffassungen unvereinbar oder ergeben sich produktive Effekte im wechselseitigen Austausch? In seinem Buch, „Before the Next Attack: Preserving Civil Liberties in the Age of Terrorism“ setzt der Verfassungsrechtler Bruce Ackerman (Yale Law School) der Praxis von immer neuen restriktiven Gesetzen Alternativen entgegen. Getrude Lübbe-Wolff, seit 2002 Richterin des Bundesverfassungsgerichts, hat mit ihren wiederholten Sondervoten mit der Tradition gebrochen, dass Karlsruhe mit einer einzigen Stimme spricht. Explizit bezieht sie sich dabei auf die am US-amerikanischen Supreme Court gängige Transparenz der Entscheidungsfindung.


Moderation: Ulrich K. Preuß (Rechtswissenschaftler, Berlin)



Über Bruce Ackerman

Bruce Ackerman ist Sterling Professor für Recht und Politische Wissenschaft an der Yale University und Autor von fünfzehn Büchern, die einen umfassenden Einfluss auf die politische Philosophie, das Verfassungsrecht und die politische Ordnung hatten. Seine zuletzt erschienen Veröffentlichungen sind The Failure of the Founding Fathers (2005) und Before the Next Attack (2006). Er schreibt häufig für die New York Times, die Washington Post und die Los Angeles Times und arbeitete als Anwalt bei Angelegenheiten von öffentlicher Bedeutung. Ackerman war führender Zeuge für Präsident Clinton bei der Vernehmung des internen Rechtsausschusses und Hauptsprecher für Al Gore vor der Legislative in Florida während der Wahlkrise von 2000. Professor Ackerman ist ein Mitglied des American Law Institute und der American Academy of Arts and Science. Er ist Befehlshaber der französischen Order of Merit und der Empfänger des American Philosophical Society´s Henry Phillips Preises für seine Lebensleistung in Jurisprudenz.


Über Gertrude Lübbe-Wolff

Gertrude Lübbe-Wolff ist seit 1992 Professorin für Öffentliches Recht an der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Bielefeld und seit 2002 Richterin des Bundesverfassungsgerichts. LübbBruce Ackermane-Wolff ist geschäftsführende Direktorin des Zentrums für interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld. In dieser Funktion erhielt sie 2000 den höchstdotierten deutschen Forschungspreis, den Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Außerdem ist die Bundesverfassungsrichterin u.a. Mitglied des Vorstands der Deutschen Sektion der Internationalen Vereinigung für Rechts- und Sozialphilosophie e.V. sowie Mitglied des Redaktionsbeirats der Zeitschrift für Ausländerrecht (ZAR).


Die Transatlantischen Gespräche sind eine gemeinsame Veranstaltungsreihe des Hauses der Kulturen der Welt, der Bundeszentrale für politische Bildung und der American Academy.