So, 16. Juni 2019

Floating Alphabet

© Cecilia Poupon

© Cecilia Poupon

„die aprikosenbäume gibt es, die aprikosenbäume gibt es“ – mit dieser so einfachen wie rätselhaften Zeile beginnt eines der einflussreichsten Gedichte der jüngeren Literaturgeschichte: Das alfabet der Schriftstellerin Inger Christensen (1935–2009) versucht, die Dinge der Welt zu benennen und ihre Zusammenhänge aufzuzeigen. Internationale Dichter*innen lesen diesen ausufernden Text auf einer abendlichen Schiffsfahrt.

In Inger Christensens Langgedicht alfabet, 1981 erschienen, verschmilzt poetische Sprache mit Mathematik und Naturwissenschaften. Ausgehend von der Fibonacci-Folge, einer unendlichen Zahlenreihe, mit der sich sowohl das Pflanzenwachstum als auch die Vermehrung innerhalb einer Kaninchenpopulation beschreiben lässt, buchstabiert sich die Dichterin in systematisch anwachsenden Aufzählungen durch das, was „es gibt“: Die Welt entsteht noch einmal neu, allein durch Sprache. Geschrieben vor dem Hintergrund von Kaltem Krieg und Wettrüsten, zeigt das Gedicht auf, was auf dem Spiel steht, heute wie damals.

Mit Daniel Falb, Christian Filips, Dagmara Kraus, Monika Rinck u.a.

Im Rahmen der Literaturreihe Alphabet Readings, Teil von Das Neue Alphabet