So, 21. Juli 2019

Angélique Kidjo, Chocolate Remix

Angélique Kidjo | © Promo

Angélique Kidjo | © Promo

Mit ihrer Neuinterpretation des Talking Heads-Albums Remain In Light machte Angélique Kidjo 2018 dessen Inspirationsquelle, den Afrobeat von Fela Kuti, explizit. Nun führt sie Afrobeat und Salsa zusammen – und huldigt damit einer Heldin ihrer Kindheit: Denn lange bevor Kidjo in den 1980er Jahren damit begann, auf ihren zahlreichen Alben fünf verschiedene Sprachen und unzählige Genres zusammenzufließen lassen, entdeckte sie als Kind Celia Cruz. Der afrokubanische Sound einer der Legenden der lateinamerikanischen Musik begeisterte Kidjo als Konzertgängerin; später sollte sie sogar mit Cruz die Bühne teilen. Kidjos im April 2019 erschienene LP Celia enthält Hits wie La vida es un carnaval, für die sich kein Geringerer als Afrobeat-Legende Tony Allen ans Schlagzeug setzte. So knüpft das Album an die Yoruba-Einflüsse der 2003 verstorbenen Cruz an. Und auch live schwebt über allem der Geist der „Queen of Salsa“.

Chocolate Remix, Fusion Festival 2018 | © Montecruz Foto

Chocolate Remix, Fusion Festival 2018 | © Montecruz Foto

Chocolate Remix

Reggaeton hat eine lange Tradition und nicht wenige Probleme. Niemand thematisiert diese eindringlicher als Romina „Choco“ Bernardo. Von Buenos Aires aus stellt sie unter dem Namen Chocolate Remix den heterosexistischen und homophoben Tendenzen des Genres eine provokante und queere Bildsprache entgegen und setzt dem wichtigsten musikalischen Exportprodukt Lateinamerikas damit einen diskursiven Stachel ins Fleisch. Doch obwohl ihr im Jahr 2017 erschienenes Debütalbum Sátira hieß, ist es der Sängerin und Rapperin mit ihrem Projekt mehr als ernst. Ihre explizit feministischen und vor allem expliziten Lyrics sind nicht allein als Kampfansage aufzufassen, sondern auch als Angebot für eine Alternative zu einem erstarrten Männlichkeitsbild. Starr lässt ihre Mischung aus Reggaeton, Cumbia und Electro sowieso niemanden zurück.