Sa, 16. März 2019

political imaginista

The Otolith Group. O Horizon, 2018, film still | Courtesy and copyright the artists

The Otolith Group. O Horizon, 2018, film still | Courtesy and copyright the artists

Als dreijähriges Forschungsprojekt unter Beteiligung von internationalen Vertreter*innen aus zeitgenössischer Kunst und Wissenschaft angelegt, brachte bauhaus imaginista durch seine transnationale Perspektive neue historische Erkenntnisse hervor. Anlässlich aktueller Entwicklungen wie die Wahlerfolge der Ultrarechten in einer Zeit, in der Angriffe auf Demokratie, Justiz, Bürgerrechte und Presse zur Normalität geworden sind, thematisiert die Konferenz, wie diese Erkenntnisse die aktuelle politische Debatte beeinflussen könnte. Internationale Künstler*innen, Forscher*innen, Journalist*innen und Aktivist*innen erörtern politische Fragen, die sich aus den Projektrecherchen ergeben. Es geht dabei um Reflexionen zu Nationalismen und Kolonialität, um die Grenzen des Internationalismus und die Politisierung digitaler Kulturen. Die Panels thematisieren gegenwärtige Politiken und Aktionen vor dem Hintergrund der historischen Materialien und Erkenntnisse der Ausstellung.

14-15.30h
Resisting the Rise of Populist Nationalism
Mit Rustom Bharucha, Iris Dressler, Anshuman Dasgupta, Mariko Takagi, moderiert von Nataša Ilić

Iwao Yamawakis 1932 entstandene Collage Attack on the Bauhaus in der Ausstellungssektion Corresponding With zeigt Nazi-Stiefel, die über die Fassade des Bauhaus-Dessau-Gebäudes marschieren. Der Faschismus zerschlug die Institution in den 1930er Jahren – wie die deutsche Zivilgesellschaft insgesamt. Yamawaki publizierte seine Collage in einer Tokioer Zeitung in einer Zeit, in der der Nationalismus auch in Japan an Boden gewann. In den Jahren seiner Existenz war das Bauhaus immer wieder das Ziel rechter Attacken. Viele Bauhäusler*innen flohen aus Deutschland, viele wurden Opfer des Regimes, andere wiederum aktive Kollaborateur*innen. Das Panel untersucht, welche Schlussfolgerungen sich aus diesen historischen Ereignissen ziehen lassen. Wie können heutige Institutionen und Kulturproduzent*innen auf das Erstarken von Nationalismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit reagieren?

15.45-17.15h
Rethinking Internationalism
Mit Alice Creischer, Doreen Mende und Wendelien van Oldenborgh, moderiert von Thomas Flierl

Mit Blick auf das Ausstellungskapitel Moving Away diskutiert das Panel das internationalistische Erbe des Bauhauses im Verhältnis zu den kommunistischen Idealen vieler seiner Schüler*innen und Lehrer*innen. Zeitgenössische Kunstschaffende erörtern die im Rahmen der Industrialisierungs- und Stadtentwicklungsprozesse in der Zwischen- und Nachkriegszeit realisierten Projekte von Bauhaus-Architekt*innen in der Sowjetunion, der DDR und den Niederlanden. Das internationalistische Erbe des Bauhauses wandelte sich auf unterschiedliche Weise: durch Stalins Fünfjahresplan, im sozialistischen Internationalismus der DDR und in den Nachkriegssiedlungen Westeuropas. Damals wie heute werden sozialistische und kommunistische Netzwerke von Aktivist*innen des Dekolonialismus und Theoretiker*innen des Postkolonialen kritisch hinterfragt. Entlang zeitgenössischer Perspektiven auf alternative Internationalismen wie den Panafrikanismus, die Blockfreien oder die Trikont-Bewegung, erörtert das Panel, ob eine neue Art von Internationalismus möglich und wünschenswert ist und wenn ja, welche Form dieser annehmen könnte.

17.30-19h
How to Redress Practices of Cultural Appropriation
Mit Sebastian de Line, Paulo Tavares, moderiert von Susanne Leeb, mit einem filmischen Beitrag von Kader Attia

Das Ausstellungskapitel Learning From untersucht, welche Schlüsselrolle die kulturelle Aneignung in der Gestaltungspraxis des Bauhauses spielte und wie sie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den USA, Mexiko, Marokko und Brasilien fortgeschrieben wurde. Betrachtet werden die umfangreichen Studien und Anleihen westlicher Künstler*innen bei amerikanisch-indigenen und maghrebinischen Kulturen. In einer Zeit, in der die repressive Verwaltung und wirtschaftliche Ausbeutung ganze Gesellschaften und Territorien bedrohten und zerstörten, wurden diese „Anleihen“ aus ihrem originalen Kontext gelöst. Zwei Künstler diskutieren eine kritische Lesart dieser Geschichten. Sie beziehen sich dabei auf ihre für bauhaus imaginista entwickelten Arbeiten.

20-21.30h
How to Politicize Art, Technology and Popular Culture
Mit John R. Blakinger, Beatriz Colomina, Gloria Sutton, moderiert von Christian Hiller

Im Kapitel Still Undead nimmt die Ausstellung die Experimente mit neuen Medien und Technologien in den Blick, die das Bauhaus in den institutionellen, wissenschaftlichen, künstlerischen und gegenkulturellen Entwicklungen Westeuropas und der USA in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hervorbrachte. Dabei zeigt sich, wie kreative Experimente einerseits über institutionelle Strukturen hinausgingen, andererseits jedoch von ihnen vereinnahmt wurden. Die für das Bauhaus bereits charakteristische Verwischung der Grenzen zwischen Experiment, Institutionalisierung und Kommerz ist heute die Norm. Die allgemeine Tendenz, experimentelle Praktiken dem Konsumdenken einzuverleiben, unterstreicht die Notwendigkeit einer neuerlichen Politisierung an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Popkultur.