So, 21. Oktober 2018

zeitkratzer: Arnold Schoenberg Award, Michael Busch: The Scelsi Tapes

zeitkratzer | Foto: David Heerde

zeitkratzer | Foto: David Heerde

19h: Michael Busch: The Scelsi Tapes, mit Vincent Royer, Bratsche | Hirschfeld Bar
20h: zeitkratzer: Arnold Schoenberg Award | Vortragssaal

Michael Busch: The Scelsi Tapes

mit Vincent Royer, Bratsche

Improvisation als Original, Partitur als Bearbeitung: Giacinto Scelsis Kompositionstechniken drehen das Paradigma von Originalität und Autorschaft um: Scelsi (1905–1988) verstand sich nicht als Komponist, sondern als Medium und Botschafter einer Musik, die schon in der Welt vorhanden ist. Er schnitt seine monotonalen Klangimprovisationen auf Tonbändern mit und beauftragte anschließend Komponist*innen, diese zu transkribieren. Die Notation, in der europäischen Musik die Bedingung für geistige Urheberschaft, wird hier zum banalen Aufschreibeakt reduziert. Ein Original existiert bei Scelsi bloß als Tonband. Doch muss nicht auch die Übersetzung in Partitur als genuine Komposition gelten? Scelsis Tonbänder sind zu Hunderten in der Scelsi-Stiftung in Rom archiviert. Wie diese Tapes mitten ins Herz der Copyright-Debatten führen, zeigt der Filmemacher und Musiker Michael Busch in einer Video-Performance mit Live-Kommentar und Vincent Royer an der Bratsche mit den Stücken: Manto I bis III.

zeitkratzer: Arnold Schoenberg Award

Hommage durch Imitation: Das HKW und das Solisten-Ensemble zeitkratzer präsentieren den ersten Arnold Schoenberg Award. Die Aufgabe war: Wie können Arnold Schönbergs Werke so kondensiert werden, dass sie einfacher komponiert, die charakteristischen Elemente seiner Musik dennoch deutlich wiedererkennbar sind? Wie könnten die ungefähren Angaben für Instrumentation, Klangfaktoren, melodische Gesten oder kontrapunktische Eigenschaften aussehen? Als Reinhold Friedl, Gründer und Leiter von zeitkratzer, vor einigen Jahren Schönbergs Komposition Pierrot Lunaire parodierte, indem er sie auf ihre klanglichen Gesten reduzierte, meinten selbst die Erben Schönbergs das Original zu hören: Obwohl Friedl rein technisch gesehen kein Copyright verletzt hatte, versuchten sie gegen seine Version vorzugehen. Im HKW spielen zeitkratzer unter Leitung des Kurators und Dirigenten Thorbjørn Tønder Hansen Friedls Cheap Imitation zusammen mit den ausgewählten Wettbewerbsbeiträgen.

Vier Werke wurden aus zahlreichen Einsendungen ausgesucht:
René Kuwan: Kleine Kammermusik (Variationen für Orchester op.31)
Click Nilson: Dodecacophony / Meta-dodecaphony (zwölf ausgewählte Werke von Schönberg)
Martin Wurmnest: Sonett op.24 ! really cheap imitation (Serenade op.24, Sonnet)
Cristian Vogel: Spectral reimagining of “Hier hinein?” (Szene 1 von Erwartung op.17)

Eine Jury aus Dörte Schmidt, Präsidentin der Gesellschaft für Musikforschung, Diedrich Diederichsen, Kulturwissenschaftler an der Akademie der Bildenden Künste Wien, und dem Bass-Bariton und Professor für zeitgenössische Vokalmusik- und notation Nicholas Isherwood wird die Werke im Anschluss öffentlich analysieren und bewerten.