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So, 27. Mai 2018

Zairong Xiang: Transdualismus: die A/Historie von Yinyang

Der Transdualismus bietet die Möglichkeit, unterhalb (nicht jenseits) des „Dualismus“ zu verbleiben, also unterhalb der Logik von Entweder/Oder. Transdualismus will eine Kritik des Dualismus formulieren, die nicht selbst auf ein dualistisches Modell der Kritik zurückfällt, insbesondere was die Frage des Körpers und seiner geschlechtlichen Identität betrifft. Der Vortrag widmet sich zunächst dem Begriff „Transdualismus“ in einer dekolonialen, das heteronormative Denken umkehrenden Deutung des Yinyang und nutzt dazu dessen Etymologie sowie verwandte religiöse, medizinische und philosophische Texte. In weiterer Folge geht es um historische Wandlungen des Yinyang und um einige Schlüsselmomente der Moderne hauptsächlich im Europa der 1930er Jahre, in denen Yinyang studiert oder aufgegriffen wurde, nachdem hier auch wichtige Arbeiten zur chinesischen Philosophie erschienen und Hauptwerke in Übersetzungen verfügbar waren. Der Vortrag schließt mit Überlegungen zu (Fehl-)Deutungen von Yinyang und dessen trans-queerem, dekolonialen Potenzial. Sie betreffen Fragen der Zeitlichkeit und der Politik des Wissens in einem zeitgenössischen Klima der Stagnation und Feindseligkeit.

Zairong Xiang ist Postdoktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Minor Cosmopolitanisms, dem Graduiertenkolleg der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an der Universität Potsdam. Er promovierte in Vergleichender Literaturwissenschaft an der Eberhard Karls Universität Tübingen und der Université de Perpignan Via Domitia. Von 2014 bis 2016 war er Research Fellow am ICI Institute for Cultural Inquiry in Berlin. Xiang hat zu den Themen feministische Theologie, Camp und Film, Dekolonisation der Übersetzung, Queer-Theorie und Darkroom publiziert. Sein erstes Buch Queer Ancient Way erscheint demnächst bei punctum books. Er ist Mitherausgeber der Sondernummern Hyperimage für 新美术: Journal of National Academy of Art (2018) und zur Ontologie des Paares für GLQ – A Journal of Lesbian and Gay Studies (erscheint 2019).

Teil der Konferenz Tiefenzeit und Krise, ca. 1930