So, 27. Mai 2018

Tom Holert: Labyrinth und Flucht. Chronopolitik der Metamorphose

In der Pariser Zeitschrift Recherches philosophiques von 1935/1936 erschienen zwei Aufsätze von Georges Bataille und Émmanuel Lévinas über „das Labyrinth“ beziehungsweise „die Flucht“. Ansonsten ging es in dieser Sondernummer um „Meditationen über die Zeit“ mit Beiträgen zur Phänomenologie und Mythologie, darunter Jacques Lacans Rezension des Buchs Le temps vécu von Eugène Minkowski (1933). Tom Holert versteht diese Konstellation als eine – wenn auch implizite – Aufforderung, sich über Zeit in den Labyrinth- und Fluchtbewegungen der Kunst, Theorie und Wissenschaft der Zwischenkriegszeit Gedanken zu machen. Er bezieht sich dabei insbesondere auf das – prä- oder a-historische – Motiv der Metamorphose (einen Schlüsselbegriff auch im Denken von Carl Einstein) in einigen Malereien und Zeichnungen von Toyen, Ithell Colquhoun, André Masson, Paul Klee und anderen. Die Zeitlichkeit (und Chronopolitik) dieser Kunst, so seine Schlussfolgerung, prägte das Denken in binären Ordnungssystemen und hat bis in die Gegenwart Spuren hinterlassen.

Teil der Konferenz Tiefenzeit und Krise, ca. 1930