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Sa, 26. Mai 2018

Susanne Leeb: „Tragische Ermüdung“. Zum Problem der Kulturkritik der 1920er Jahre

Moderation: Anselm Franke

Die Hinwendung zu Künsten nichteuropäischer Gesellschaften sowie zur Urgeschichte war in den 1920er Jahren von massiver Kultur- und Zivilisationskritik geprägt. Die Diagnose vom Verlust der Gemeinschaft durch Modernisierungsprozesse, und die Fragen, auf welcher Basis diese wieder herzustellen sei und welche Rolle Kunst dabei spielen sollte, durchziehen die damalige Kunstpublizistik. Dabei bestimmten geschichtsphilosophische Grundannahmen die Weise, wie nicht-europäische Künste in solchen Weltkunsterzählungen vorkommen. Vor allem bei dem Kunsthistoriker Wilhelm Hausenstein kann man sehen, wie seine geschichtsphilosophisch genährte Gegenwartsdiagnostik in eine konservative Moderne kippte – eine Wendung, die dem Denken von Carl Einstein entgegen gesetzt ist. Der Vortrag geht diesen Denkfiguren nach und fragt, welches Geschichtsbild Handlungsoptionen eröffnet oder versperrt.

Susanne Leeb ist Kunsthistorikerin und arbeitet als Professorin für zeitgenössische Kunst mit einem Fokus auf transkulturelle Kunstgeschichten an der Leuphana Universität Lüneburg. Dort leitet sie den Kunstraum (gemeinsam mit Ulf Wuggenig) und das Leuphana Arts Program. Ihre Promotion Die Kunst der Anderen. „Weltkunst“ und die Anthropologische Konfiguration der Moderne publizierte sie 2015. Sie ist Herausgeberin der Sektion Transkulturelle Kunstgeschichte der Onlinerezensionszeitschrift Kunstform, gibt die Buchserie PolYpeN bei b_books mit heraus und ist im Beirat von Texte zur Kunst. 2017 hat sie dort die Hefte Wir sind Ihr sowie Idiom. The Languages of Art mitkonzipiert und jeweils Aufsätze dazu beigetragen.

Teil der Konferenz Tiefenzeit und Krise, ca. 1930