Sa, 28. April 2018

The Amen Break: 1 Drumroll in 2.500 tracks

Mit Nate Harrison, Christine Lang, André Luth, Jens Gerrit Papenburg, Moderation: Holger Schulze, musikalische Intervention: DJ DSL

The Winstons, Color Him Father / Amen, Brother | © Promo

The Winstons, Color Him Father / Amen, Brother | © Promo

Sechs Sekunden Schlagzeugsolo, über 2.500 Mal gesampelt, beschleunigt, verlangsamt, zerschnitten und neu arrangiert. Ganze Genres wie Hiphop, Drum’n’Bass, Jungle und Breakbeat würden ohne ihn gar nicht existieren oder zumindest völlig anders klingen: Der Amen Break – nicht mehr als vier Takte des Stücks Amen, Brother der Soulband The Winstons aus dem Jahr 1969 – ist der wohl meistgehörte Schlagzeug-Break der Musikgeschichte. Sein Urheber, der Schlagzeuger Gregory Coleman, verstarb 2005 in Armut; 2015 unterstützte eine Crowdfunding-Aktion wenigstens die verbliebenen Musiker der Band. Die unzähligen Verwendungsformen des berühmten Breaks belegen die hohe Durchschlagskraft der analogen wie digitalen Klangbearbeitung: Wenige Sekunden Musik können ganze Genres und Instrumentalpraktiken hervorbringen. Wie genau entstehen neue Genres aus winzigen Soundpartikeln? Wie prägen die sich stetig verändernden Techniken der digitalen Bearbeitung ganze Klang-, Hör- und Tanzkulturen? Und wie klingt diese Innovation heute?

Die komplexe Geschichte dieses einflussreichen Trommelwirbels diskutieren der Künstler Nate Harrison, der für seine Arbeit Can I Get An Amen? über den berühmten Break geforscht hat; die Kulturwissenschaftlerin, Dramaturgin und Filmemacherin Christine Lang; der Ex-Musikschreiber und DJ, heute Produzent und Labelbetreiber André Luth und Jens Gerrit Papenburg, Musikwissenschaftler am Lehrstuhl Theorie und Geschichte der populären Musik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Moderiert von Holger Schulze, Musikwissenschaftler an der Universität Kopenhagen und Leiter des dortigen Sound Studies Lab.

Eine musikalische Intervention von DJ DSL zum Auftakt des Panels und die Installation Vinylheads von Anke Eckardt setzen sich künstlerisch mit dem Amen Break, den Komponisten von 1969 und den vielen Nach-, Um- & Neunutzern seither auseinander.