Fr, 19. Januar 2018

Saving Bruce Lee – Eröffnung mit „Introduction to Life“

R: Igor Talankin, 1962, 101 min, russ. OmE, mit Ossama Mohammed und den Kuratorinnen Koyo Kouoh und Rasha Salti

Filmstill aus Introduction to Life (Igor Talankin, 1962). | Courtesy Mosfilm

Filmstill aus Introduction to Life (Igor Talankin, 1962). | Courtesy Mosfilm

Auf einer Geschichte von Wera Panowa basierend spielt das Drama Introduction to Life (Vstuplijenije) während des Zweiten Weltkriegs und wird in Rückblenden aus der Sicht eines Jungen erzählt. Der Film beginnt, als der Krieg beinahe zu Ende ist: Zwei junge Männer kehren mit dem Zug nach Leningrad zurück und laufen einander über den Weg. Schon 1941 sind sie sich als Jugendliche in einem überfüllten Sammellager für Geflüchtete begegnet, und beider „Einführung ins Leben“ fand in den schwierigen Jahren des Krieges statt. Für den einen brach damals eine Welt zusammen, als sich seine Eltern trennten und er mitten in den Kämpfen Leningrad verließ. Nun jedoch kehrt er zurück, um Freundschaft mit seinem Halbbruder zu schließen. Igor Talankins erster Spielfilm teilte sich bei den Filmfestspielen von Venedig den Spezialpreis der Jury mit Le feu follet (Das Irrlicht) von Louis Malle. Der Film begründete auch eine langjährige und produktive Zusammenarbeit mit dem Komponisten Alfred Schnittke.

Koyo Kouoh ist selbstständige Kuratorin und Kulturproduzentin und arbeitet in Dakar, Senegal. Sie ist Gründerin und künstlerische Leiterin der RAW Material Company, einem Zentrum für Kunst, Wissen und Gesellschaft in Dakar, sowie Kuratorin des Bildungsprogramms bei der 1:54 Contemporary African Art Fair in London. Kouoh war als kuratorische Beraterin für die documenta 12 (2007) und 13 (2012) tätig, wirkte in den Jahren 2001 und 2003 als Mitkuratorin bei Les Rencontres de la Photographie Africaine und arbeitete in verschiedenen Funktionen für die Dakar Biennale. Als Expertin für Fotografie, Video und Kunst im öffentlichen Raum hat sie zahlreiche internationale Ausstellungen kuratiert und über zeitgenössische afrikanische Kunst geschrieben. Zu ihren jüngsten Projekten gehören Body Talk: Feminism, Sexuality and the Body in the Work of Six African Women Artists (2015); das Programm Personal Liberties, das drei Ausstellungen, Seminare, Gespräche, Filmvorführungen und eine Publikation über Sexualität, Homosexualität und Homophobie in Afrika umfasst; die Aufsatzsammlung Condition Report on Building Art Institutions in Africa, die aus dem gleichnamigen Symposium in Dakar im Januar 2012 entstand; und Word! Word? Word! Issa Samb and the Undecipherable Form, die erste Monografie über die Arbeit des wegweisenden senegalesischen Künstlers Issa Samb. Im Jahr 2016 gründete sie die in Dakar ansässige Raw Academy, eine internationale, pädagogische Forschungsstätte für Künstler*innen.

Ossama Mohammed graduierte 1979 nach seinem Studium bei Igor Talankin mit dem Dokumentarfilm Step by Step (Khutwa Khutwa) vom VGIK. Sein erster Langfilm Sterne des Tages (Nujum al-Nahar, 1988) ist eine Hommage an Talankins Film Day Stars und wurde in Syrien nie für die öffentliche Vorführung freigegeben. International bescherte er dem Filmemacher große Anerkennung. Seine Filme Opfertod (Sunduq al-Dunya, 2002) und Silvered Water, Syria Self-Portrait (Ma’a al-Fidda, 2014) wurden bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes gezeigt. Nach einer Rede 2011, bei der er dem pazifistischen Aufstand in Syrien seine Unterstützung aussprach, war Mohammed gezwungen, ins politische Exil nach Frankreich zu gehen, wo er bis heute lebt.

Rasha Salti, Autorin und freie Kuratorin für Film und Bildende Kunst lebt und arbeitet in Beirut und Berlin. Ihre Laufbahn startete sie 1992 am multidisziplinären Performance- und Ausstellungszentrum Théâtre de Beyrouth, wo sie bis 1995 tätig war. Zusammen mit Richard Peña kuratierte sie die syrische Film-Retrospektive The Road to Damascus, die von 2006 bis 2008 auf Welttournee ging, sowie The Calm Before the Storm, a Retrospective of Lebanese Cinema, die 2009 im Lincoln Center lief. In Kooperationen mit Jytte Jensen realisierte sie Mapping Subjectivity: Experimentation in Arab Cinema from the 1960s until Now, die das MoMA in New York von 2010 bis 2012 zeigte. Aktuell ist Salti Redaktionsleiterin für La Lucarne, das experimentelle Dokumentarfilmprogramm von Arte France. 2011 war sie eine der Kuratorinnen der 10. Ausgabe der Sharjah Kunstbiennale. 2015 kuratierte sie mit Kristine Khouri die Ausstellung Past Disquiet: Narratives and Ghosts from the Exhibition of International Art for Palestine (Beirut, 1978) am MACBA Museum für zeitgenössische Kunst in Barcelona (MACBA). 2016 wurde die Ausstellung im Haus der Kulturen der Welt (HKW) präsentiert.