So, 07. Januar 2018

Autonomy, Predicament and Imbroglio: The CCF in the Third World

Expertinnengespräch mit Paz Guevara & Rasha Salti

In den 1950er und 1960er Jahren publizierte und finanzierte der Kongress für kulturelle Freiheit (CCF) über vierzig renommierte Magazine auf allen Kontinenten. Mehr noch als die bildenden Künstler*innen wurden die Schriftsteller*innen zum bevorzugten Instrument der CIA bei der Propagierung „anti-totalitärer“ Gedanken unter den globalen Meinungsführer*innen. Paz Guevara und Rasha Salti erörtern die politische und kulturelle Rolle der Zeitschriften in der Politik des Kalten Krieges. Gemeinsam besprechen Artikel und Archivmaterial, erörtern den Aufstieg und Fall der Zeitschriften Mundo Nuevo und Hiwar – deren Erscheinen Herausgeber Tawfiq Sayigh einstellte nachdem ein Artikel der New York Times 1966 den CCF als Frontorganisation der CIA entlarvte. In ihrem Fokus stehen die lateinamerikanische Debatte zu Instrumentalisierung und intellektueller Freiheit sowie die antikolonialistischen Positionen in verschiedenen CFF-Blättern.

Die Autorin und freie Kuratorin für Film und Bildende Kunst Rasha Salti lebt und arbeitet in Beirut und Berlin. Ihre Laufbahn startete sie 1992 am multidisziplinären Performance- und Ausstellungszentrum Théâtre de Beyrouth, wo sie bis 1995 tätig war. Zusammen mit Richard Peña kuratierte sie die syrische Film-Retrospektive The Road to Damascus, die von 2006 bis 2008 auf Welttournee ging, sowie The Calm Before the Storm, a Retrospective of Lebanese Cinema, die 2009 im Lincoln Center lief. In Kooperationen mit Jytte Jensen realisierte sie Mapping Subjectivity: Experimentation in Arab Cinema from the 1960s until Now, die das MoMA in New York von 2010 bis 2012 zeigte. Aktuell ist Salti Redaktionsleiterin für La Lucarne, das experimentelle Dokumentarfilmprogramm von Arte France. 2011 war sie eine der Kuratorinnen der 10. Ausgabe der Sharjah Kunstbiennale. 2015 kuratierte sie mit Kristine Khouri die Ausstellung Past Disquiet: Narratives and Ghosts from the Exhibition of International Art for Palestine (Beirut, 1978) am MACBA Museum für zeitgenössische Kunst in Barcelona (MACBA). 2016 wurde die Ausstellung im Haus der Kulturen der Welt (HKW) präsentiert.

Paz Guevara ist Kuratorin, Wissenschaftlerin und Autorin in Berlin. Aktuell arbeitet sie am - Langzeitprojekt Kanon-Fragen des HKW. Aus ihrer Forschung zum Engagement lateinamerikanischer Künstler und Museen für die Solidaritätsbewegung lieferte sie Beiträge zum HKW-Programm Past Disquiet. Paz Guevara ko-kuratierte außerdem und unter anderem In Other Words: The Black Market of Translations—Negotiating Contemporary Cultures an der NGBK (Berlin, 2012); den Lateinamerika-Pavillon der 55. und 54. Biennale von Venedig (2013 und 2011) sowie Comunidad Ficticia in Matucana 100 (Santiago, Chile, 2009). Für die 7. Berlin Biennale entwickelte sie 2012 den Workshop für junge Kuratoren Curating in Times of Need.