So, 17. Dezember 2017

A lot of fuss about a drawing: On Stalin by Picasso and other Cold War battles

Expertinnengespräch mit Nida Ghouse & Lene Berg

1953, kurz vor Stalins Tod, wurde Pablo Picasso, Mitglied der KPF seit 1944, gebeten, ein Porträt des Diktators zu zeichnen. Über seine Veröffentlichung – es erschien neben den Ovationen für Joseph Stalin auf der Titelseite der kommunistischen Zeitung Les Lettres – empörten sich Kommunisten ebenso wie Antikommunisten, reklamierten doch beide den prominenten Maler für sich als Symbolfigur ihrer jeweiligen Bewegung. Das Sowjetregime präsentierte Picasso als beispielhaft treuen Kommunisten unter den westlichen Künstlern, obwohl seine avantgardistischen Werke in krassem Widerspruch zum offiziell geforderten Realismus standen. Lene Bergs Film Stalin by Picasso or Portrait of a Woman with Moustache (2008) erzählt nicht nur die Geschichte eines Gemäldes, sondern wirft ein Licht auf die sich ständig verändernde Mediendarstellung des Künstlers wie des Diktators.

Lene Berg ließ sich am Dramatiska Institutet in Stockholm zur Regisseurin ausbilden. Sie arbeitet mit Video und Installation, Fotografie und Text. Ihr Video The Man in the Background und ihre Publikation Gentlemen and Arseholes erschienen als zweiteiliges Projekt zur Kunst und Propaganda während des Kalten Krieges. Berg präsentierte Beiträge für die Transmediale (2008), Pensee Sauvage am Frankfurter Kunstverein (2007), Headlines and Footnotes im norwegischen Henie Onstad Kunstsenter, Norway (2008), die Sydney Biennale (2008) und andere Ausstellungen.

Nida Ghouse ist Schriftstellerin und Kuratorin. Ihr literarisches Langzeitprojekt Lotus Notes erschien mehrfach in der Online-Zeitung Mada Masr (Kairo, 2014), in After Year Zero (2015), im MIT Press journal ARTMargins (2016), sowie in den Critical Writing Ensembles (2016). Neben Parapolitik kuratiert sie aktuell The Matrix of All Possible Narratives (mit Anselm Franke und Erhard Schüttpelz, 2020 HKW). Von 2015 bis 2017 war Nida Ghouse Kuratorin des Mumbai Art Room.