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So, 10. Dezember 2017

The Totalitarian Paradigm and The Making Of Contemporary Art

Expertinnengespräch mit Antonia Majaca & Jelena Vesić

Das Konzept des Totalitarismus kam Anfang der 1930er Jahre in der Spätphase der Weimarer Republik auf. Es prägte nicht nur die Politik des 20. Jahrhunderts, sondern wurde im Kalten Krieg zum Kampfbegriff des „cultural othering“ – der Bestimmung des „kulturell Anderen“. Vage verortet an der ideologischen Schnittstelle zwischen den verschiedenen Fraktionen des Antistalinismus wurde das Totalitarismusparadigma in jener Zeit, als die Schlacht um die Herzen und den Geist tobte, zu einer der präsentesten Ideen im Vokabular des US-Liberalismus. Die Gleichsetzung von Nazismus und Kommunismus wurde zum Vorwand für das im Umfeld des CCF zunehmend häufiger zitierte Diktum vom Ende der Ideologie.

Antonia Majaca ist Kunsthistorikerin, Kuratorin und Autorin in Berlin und als Forschungsleiterin am IZK Institut für zeitgenössische Kunst an der TU Graz tätig. Neben ihrer Lehrtätigkeit publiziert sie umfänglich zu zeitgenössischer Kunst und Kunstgeschichte. Zusammen mit Angela Dimitrakaki und Sanja Ivekovic initiierte sie die aurale Intervention Art of The Possible: Towards the International Antifascist Feminist Front und ko-kuratierte das diskursive Programm Women's Work in Revolt für die Documenta 14 in Athen (2017). In jüngerer Zeit kuratierte sie die Konferenzen Knowledge Forms and Forming Knowledge - Limits and Horizons of Transdisciplinary Art-Based Research in der Halle für Kunst & Medien, Graz sowie die Memorial For(u)ms – Histories of Possibility für DAAD und HAU - Hebbel am Ufer. Zu ihren früheren Arbeiten zählen zahlreiche Veröffentlichungen und Ausstellungen des 2009 zusammen mit Ivana Bago gegründeten Delve – Institute for Duration, Location and Variables.

Die freie Kuratorin, Autorin, Verlegerin und Dozentin Jelena Vesić ist Mitgründerin des Prelom Collective und Mitherausgeberin von Red Thread, dem Journal für Sozialtheorie, zeitgenössische Kunst und Aktivismus. Sie publizierte zahlreiche Aufsätze zum Verhältnis von Kunst und Ideologie in der geopolitischen Kunstgeschichte sowie zu Themen der Experimentalkunst und Ausstellungspraxis. Ihre Story on Copy war zuletzt in der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart zu sehen. Sie kuratierte Lecture Performance im Museum für zeitgenössische Kunst in Belgrad und am Kölnischen Kunstverein (2009/2010). 2009 präsentierte sie das kollektive Ausstellungsprojekt Political Practices of (post-)Yugoslav Art / Die politische Praxis der (post-)jugoslawischen Kunst, eine kritische Auseinandersetzung mit kunsthistorischen Konzepten und Narrativen zur jugoslawischen Kunst nach der Auflösung des Landes. Ihr aktueller Essayband On Neutrality, The letter from Melos – herausgegeben 2016 zusammen mit Vladimir Jerić Vlidi und Rachel O'Reilly – fand Eingang in die Edition Non-Aligned Modernity des Museums für zeitgenössische Kunst in Belgrad. Die Schriftenreihe widmet sich der Erkundung verschiedener kulturpolitischer Ansätze der Bewegung der Blockfreien.