Do, 09. November 2017

Pussy Riot, Matana Roberts, zeitkratzer

Pussy Riot | Foto: Akerlund Maga

Pussy Riot | Foto: Akerlund Maga

19h zeitkratzer | Foyer
20.30h Pussy Riot | Auditorium
21.30h Matana Roberts & Chor der Kulturen der Welt | Auditorium

Foto: Johan Coudoux

Foto: Johan Coudoux

zeitkratzer

zeitkratzer schiebt, zieht, trinkt, pustet und klopft: Zum Festival-Auftakt macht das für seine hybriden Musikkonzepte bekannte Solisten-Ensemble keine Musik – sondern geht in vier verschiedenen Versuchsanordnungen der Frage nach, wie Musik trotzdem möglich wird, wo sie nicht vermutet wird. La Monte Youngs Poem for Tables, Chairs, Benches and other Sound Objects verwandelt Möbelrücken in eine phantastische Sound-Orgie; in John Whites Drinking & Hooting Machine werden Flaschen, in Philip Glass’ 1 + 1 ein Tisch und in Liam Mooneys 180° for six or more triangles Trockeneis zu Instrumenten der Klangerzeugung.

www.zeitkratzer.de

Pussy Riot

Protest als Existenzform: Mit situationistischer Performancekunst, Riot-Grrrl-Punkrock und einer radikalen Angriffslust hat Pussy Riot seit 2011 den Finger in Russlands Wunden gelegt. Spätestens die Inhaftierung von drei Mitgliedern des Kollektivs in Reaktion auf ihr „Punk-Gebet“ in einer Kirche hat weltweit alle Augen auf sich gezogen. Seither wurde die Anonymität der bunten Sturmhauben eingetauscht gegen die offensive Politisierung der persönlichen Schicksale der Aktivistinnen – mit Nadja Tolokonnikowa als Covergirl des Widerstands gegen Repression und staatliche Willkür. Im letzten Jahr erschienen Tolokonnikowas Erfahrungsbericht, politische Biografie und Manifest Anleitung für eine Revolution, sowie eine neue Pussy-Riot-EP anlässlich des US-amerikanischen Wahlkampfs – beide geben eine Vorahnung für die Performance mit (Kampf-?)Ansage, die Pussy Riot für den No! Music-Eröffnungsabend verspricht.

Foto: Paula Court

Foto: Paula Court

Matana Roberts & Chor der Kulturen der Welt

Atmen als Manifest: Die Saxofonistin und Komponistin Matana Roberts versteht sich ebenso sehr als Klangexperimentatorin wie als Sprachrohr und Erzählerin. Ihr Multimedia-Epos Coin, Coin ist eine musikalische und ethnografische Untersuchung afroamerikanischer Geschichte entlang der Spuren ihrer eigenen Vorfahren. Mit einem speziell für No! Music komponierten und gemeinsam mit dem Chor der Kulturen der Welt uraufgeführten Werk politisiert die Wortführerin einer neuen querköpfigen Jazzszene das Atmen selbst. Atmen heißt auch, die Stimme zu erheben, infrage zu stellen, herauszufordern; Roberts will den individuellen Lebensgeschichten Atem einhauchen und daran erinnern, wie wichtig es in diesen Zeiten ist, sich mit einem Nein! allem entgegen zu stellen, was diese Identitäten zum Schweigen bringen will.

www.matanaroberts.com