Mo, 12. Juni 2017

Joseph Vogl, Allen Feldman und Sinan Antoon – ANGST

Gerhard Richter, Beerdigung, 1988, 200 cm × 320 cm, Öl auf Leinwand, Werkverzeichnis: 673, © Gerhard Richter 2017 (0085)

Gerhard Richter, Beerdigung, 1988, 200 cm × 320 cm, Öl auf Leinwand, Werkverzeichnis: 673, © Gerhard Richter 2017 (0085)

Ängste sind Indikatoren für bestimmte Verhältnisse zur Welt. In gegenwärtigen Gesellschaften dient Angstproduktion oft als politische Strategie, um Ausnahmezustände zu normalisieren. Welche kognitiven Schemata nutzt eine Angstpolitik zur Manipulation von Diskursen, Bildern und Begriffen? Joseph Vogl, Allen Feldman und Sinan Antoon sprechen über die globalen Verflechtungen von Angst, Terror und Trauma.

Ängste vor Kontrollverlust, vor dem Unbegreiflichen und dem Irrationalen entwickelten sich parallel zu der Herausbildung des modernen Individuums. Wie verschieben solche subjektiven und kollektiven Ängste das Verhältnis von Bedrohung, Sicherheit und Freiheit?

Der Literatur- und Kulturwissenschaftler Joseph Vogl unternimmt eine ideengeschichtliche Analyse der Ursprünge moderner Angstökonomien. Dabei untersucht er, wie die Bedingungen moderner Subjektkonstitution mit heutigen Herrschaftspraktiken zusammenhängen. Der Anthropologe Allen Feldman entwickelt eine visuelle Ethnografie der Gewalt. Er zeigt, wie die Kontrolle des Sehens zu einer Waffe werden kann und wie die (Un-)Sichtbarmachung von Gewalt- und Terror einen konstanten wie latenten Angstzustand hervorruft. Der Autor, der Dichter und Theoretiker Sinan Antoon beschreibt, wie die arabische Sprache und darüber hinaus eine ganze Kultur seit den Anschlägen von 9/11 als Quelle von Gefahr und Zeichen für Gewalt definiert werden.