Fr, 21. April 2017

Mi You: Slow Silk Road, networks and denationalistic imaginaries

Mi Yous langfristige Forschung zu Seidenstraßen beinhaltet historische Darstellungen der Handels- und Kulturbeziehungen ebenso wie Betrachtungen der zeitgenössischen Geopolitik in Asien.

Ihre analytische, zugleich tiefenhistorisch und postnationalistisch geprägte Perspektive erfasst dezentralisierte mittelalterliche und spätkapitalistische Handelsnetze. In ihrem Vortrag befasst sich You mit einer neueren Arbeit des Künstlers Royce Ng über das japanische Marionettenregime von Manchukuo. Das hier vom japanischen Gouverneur durchgesetzte kapitalistische System prägte die Nachkriegswirtschaft in Japan, Korea, Südostasien und schließlich auch in China. In einem spekulativen Sprung erörtert You den Geo-Körper der Seidenstraßen und die Potenziale einer „langsameren Seidenstraße“, darin einer Vision des französischen Geografen und Anarchisten Élisée Reclus folgend.

Mi You ist Kuratorin, Forscherin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Kunsthochschule für Medien Köln. Ihre Langzeitforschung und ihre kuratorischen Projekte gehen von der Seidenstraße als Sinnbild tiefenzeitlicher, tiefenräumlicher, dezentralisierter und nomadischer Vorstellungswelten aus. Unter diesem Titel hat sie eine Serie von Performance-Programmen am Asian Culture Center Theater in Gwangju, Südkorea, und beim ersten Ulaanbaatar International Media Art Festival in der Mongolei (2016) kuratiert. Ihre wissenschaftlichen Interessensgebiete sind die Philosophie der Performance, die Wissenschafts- und Technologieforschung sowie die Philosophie der Immanenz westlicher und östlicher Tradition. Sie ist Direktorin von Arthub in Shanghai und leitet das Institute for Provocation in Beijing.