Sa, 22. April 2017

Hongkoo Han: Cold War and the Colonial Legacy in South Korean Religion and Politics

Ende des 19. Jahrhunderts verkündeten einige westliche Beobachter Koreas wie beispielsweise Louise Jordan Miln, Autorin von Quaint Korea, das Land habe "keine Religion". Tatsächlich erlebte Korea im 20. Jahrhundert eine religiöse Erweckung nach der anderen.

Es entstanden Religionen wie Ch’ ŏndo-gyo, Ch ŭngsan-gyo, Taejong-gyo, Poch’ ŏn-gyo, Wŏnbul-gyo und T’ongil-gyo. Auch die Zahl der Christen wuchs schneller als überall sonst auf der Welt. Ängste und Sorgen wurden geschürt durch Kolonialherrschaft, Teilung, Krieg, Massaker und intensive Modernisierung. Das erstaunliche Aufleben des Christentums und der anderen Religionen führte jedoch nicht zum Verschwinden von Schamanismus und Aberglauben. Im geteilten Korea verbindet sich das Christentum mit extremem Antikommunismus und ausgeprägter Verehrung der Vereinigten Staaten einerseits und mit dem Schamanismus andererseits. Da nach der Demokratisierung keine juristische Aufarbeitung der Vergangenheit stattfand, dominieren im heutigen Korea immer noch dieselben konservativen Kräfte, die noch aus der Zeit der japanischen Fremdherrschaft stammen und sich damals als Kollaborateure der Kolonialherren hervortaten. Die Kerzenlicht-Demonstrationen in Korea 2016 waren Versuche demokratisch gesinnter Bürger, ein neues Kapitel der Geschichte einzuleiten. Auf den Plätzen von Seoul wurde der Kampf zwischen der Demokratie und dem Schamanismus des Kalten Krieges sichtbar.