Do, 11. Mai 2017

Taiye Selasi, David Theo Goldberg & Achille Mbembe – GEWALT

Jack Whitten, Virgin Space, Loop #20, 2012, Black Cat and Acrylic on Canvas 12 x 12 inch © Jack Whitten | Courtesy the artist and Hauser & Wirth

Jack Whitten, Virgin Space, Loop #20, 2012, Black Cat and Acrylic on Canvas 12 x 12 inch © Jack Whitten | Courtesy the artist and Hauser & Wirth

Rassistische Gewalt tritt in ihren verschiedenen Erscheinungsformen oft verdeckt auf. Sie ist tief in soziale Strukturen, Sprachsysteme, Regierungsinstrumente oder die Interpretation von Geschichte eingeschrieben. In ihrer Genealogie ist rassistische Gewalt eng mit der Entstehung moderner kapitalistischer Nationalstaaten verbunden. Welche historischen Tradierungen sind es, die eine Fortschreibung rassistischer Klassifizierungssysteme ermöglichen? Vor dem Hintergrund historischer Entwicklungen, Kontinuitäten und Brüche untersuchen drei führende Vertreter*innen der postkolonialen Theorie den fortdauernden Prozess der Normalisierung rassistischer Gewalt. Wie erkennen und adressieren wir zeitgenössische Rassismen? Wie ist Gewalt in Praktiken und Sprachen postkolonialer kapitalistischer Gesellschaften verwurzelt? Was zeigt die Illusion eines „post-rassistischen“ Zeitalters über die Effekte und Maskierungen rassistischer Gewalthierarchien? Wie können Rassismen in Erzählform enttarnt werden?

Eine von Taiye Selasi für den Abend entwickelte Kurzgeschichte zu den Mechanismen des ‚Othering‘ als rassistische Abgrenzung, ist der Ausgangspunkt der Diskussion. In ihren bildhaften Narrationen zeigt Selasi, wie rassistische Aggression artikuliert wird und wie sie individuelle und gesellschaftliche Gewaltformen miteinander verbindet. Die Analysen von David Theo Goldberg und Achille Mbembe zeigen einerseits die enge Wechselwirkung von Rassismus und systemischen, hierarchischen, gesellschaftlichen Strukturen. Auf der anderen Seite diskutieren sie Muster der Gewaltlegitimation und stellen die Frage nach „legitimer“ Gewalt im Kontext emanzipatorischer Bewegungen wie Négritude und Black Lives Matter.