Mi, 04. Mai 2016

Wole Soyinka & Manthia Diawara – WAHRHEIT

Wole Soyinka | Foto: Annette Hauschild © Haus der Kulturen der Welt

Wole Soyinka | Foto: Annette Hauschild © Haus der Kulturen der Welt

Eine Begegnung des Literaturnobelpreisträgers Wole Soyinka mit dem Filmtheoretiker Manthia Diawara zum Begriff Wahrheit vor dem Hintergrund globaler postkolonialer Konfliktlagen. Welche Rolle spielt Wahrheit im Kontext von Gewalt und Menschenrechtsverletzungen, von Versöhnung und Reparation? Welche Formen des Wahrsprechens sind mit individueller Freiheit verknüpft und welche schaffen erneut ausgrenzende Machtstrukturen? Gibt es universelle Wahrheiten? Und welche Wahrheit entsteht in der Fiktion oder im Dokumentarischen? Die Négritude-Bewegung und Glissants Theorie der Relation dienen Diawara und Soyinka als Ausgangspunkt, um Techniken des Behauptens und Methoden der Wahrheitsproduktion zu untersuchen.

Filmpremiere von
Négritude – Ein Dialog zwischen Soyinka und Senghor
R: Manthia Diawara, D/F/P 2015, 59 min, mehrsprachige OV mit deutschen und englischen Untertiteln
Aus Archivmaterial arrangiert Manthia Diawara einen fiktiven Dialog zwischen Wole Soyinka und Léopold Senghor, einem der Begründer des Konzepts der Négritude. Der Film fragt nach der aktuellen Relevanz des Konzepts, das mehr ist als die Dekolonisations- und Unabhängigkeitsbewegungen der 1950er- und 60er-Jahre. Darüber hinaus geht es um ein Verständnis der zeitgenössischen gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen zu Nationalismus, religiöser Intoleranz, Multikulturalismus und xenophoben Migrationspolitik des Westens.

Wole Soyinka (*1934 in Nigeria) ist Autor von mehr als 30 Theaterstücken, Romanen, Gedichtbänden, Essays und Biografien, von denen viele weltweit übersetzt und aufgeführt wurden. 1986 erhielt er dafür den Literaturnobelpreis. Zu seinen wichtigsten Werken gehören Aké. Jahre der Kindheit (1986), Die Last des Erinnerns (2001) und seine Autobiografie, die sein gesamtes politisches und literarisches Wirken umfasst, Brich auf in früher Dämmerung (2008). Er engagiert sich in Kunst-, Wissenschafts- und Menschenrechtsorganisationen und hat neben traditionellen Würdentiteln seiner Heimat zahlreiche Ehrungen wissenschaftlicher und staatlicher Einrichtungen in aller Welt erhalten. Er ist als Angehöriger der Yoruba im Westen Nigerias geboren und hat in Ibadan und Leeds, England, studiert. Bis heute hält er in Nigeria und im Ausland Vorlesungen an Universitäten. Wole Soyinka war Hutchins Fellow an der Harvard University, USA, sowie Honorary Fellow des Churchill College in Cambridge, England; er ist Professor Emeritus an der Obafemi Awolowo University in Ile-Ife, Nigeria.

Manthia Diawara (* 1953 in Mali) lebt und arbeitet in New York. Er ist Professor für Vergleichende Literatur- und Filmwissenschaft an der New York University. Als Regisseur realisierte er u.a. die folgenden Filme Négritude – Ein Dialog zwischen Soyinka und Senghor (2015), Édouard Glissant: One World in Relation (2009), Maison Tropicale (2008), Who’s Afraid of Ngugi? (2006), Bamako Sigi-kan (2002), Conakry Kas (2003), Diaspora Conversations: from Gorée to Dogon (2000), In Search of Africa (1997), Rouch in Reverse (1995) und zusammen mit Ngugi wa Thiong’o, Sembène: The Making of African Cinema (1994). Seine Publikationen umfassen African Cinema – New Aesthetic Forms and Policies (with Lydie Diakhate, 2011), We Will not Budge: An African Exile in the World (2003), Black-American Cinema: Aesthetics and spectatorship (1993), African Cinema: Politics and Culture (1992) und In Search of Africa (1998), neben zahlreichen weiteren Essays über Film und Literatur der afrikanischen Diaspora. 2008 kuratierte er für das HKW das Filmfestival African Screens. Diawara gründete zudem die zweisprachige Zeitschrift Black Renaissance/Renaissance Noire, für die er heute noch als Redakteur arbeitet.