Sa, 07. Mai 2016

Antifaschistische Künstlerbrigaden und die Solidaritätsbewegung der 1970er

Mit Gerald Warnke, Franz Lehmkuhl und Paz Guevara

Chilenische Wandmalerei (Filmstill) | José Balmes (2.v.l.), Gracia Barrios (2.v.r.), Guillermo Nunez (rechts außen), u.a. | © Franz Lehmkuhl

Chilenische Wandmalerei (Filmstill) | José Balmes (2.v.l.), Gracia Barrios (2.v.r.), Guillermo Nunez (rechts außen), u.a. | © Franz Lehmkuhl

Gespräch mit Gerald Warnke

Gerald Warnke ist Aktivist, Kulturpolitiker und Netzwerker. Im Rahmen der Antiimperialistischen Solidaritätsbewegung der 1970er Jahre, besonders zu Chile, Vietnam und Palästina, war er in verschiedenen Kollektiven in den Städten Marburg und Kassel aktiv. In dieser Zeit leitete er den Studentischen Filmclub Marburg und realisierte thematische Filmreihen wie eine Woche proletarisch-revolutionärer Filme, eine Antifaschistische und eine Sowjetischen Filmwoche, Filme im antiimperialistischen Kampf und Filme aus der 3. Welt. Unmittelbar nach dem Militärputsch in Chile 1973 organisierte er eine Chilenische Filmwoche. Am Rande der documenta 6 in Kassel im Jahr 1977 organisierte er mit Unterstützung der Jugendbrigade Salvador Allende und deutschen Kunststudent*innen die Produktion eines Murales auf dem Theatervorplatz in Kassel, gemalt von der antifaschistischen Malerbrigade Pablo Neruda aus chilenischen Künstler*innen im Pariser Exil, darunter José Balmes, Gracia Barrios, Guillermo Nuñez.

Filmscreening: Chilenische Wandmalerei, R: Franz Lehmkuhl, D 1977, 30 min, anschließendes Gespräch mit Franz Lehmkuhl und Paz Guevara

Der Filmregisseur und Fotograf Franz Lehmkuhl beendete sein Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Kassel mit dem Examensfilm Rashidiiya, der 1978 mit dem 1. Preis auf dem Filmfestival Liberation of Palestine is Cornerstone for Worldpeace in Bagdad ausgezeichnet wurde. Es folgten Dreharbeiten im Nahen Osten u. a. im Auftrag der UNESCO. Als Filmemacher und Kamerakorrespondent dokumentierte Lehmkuhl für internationale Presse- und Filmagenturen im Irak das sogenannte „Kurdenproblem“, im Iran die Islamische Revolution (1979 –1980) sowie Themen der Apartheid in Südafrika und Namibia (1987). Sein Film Chilenische Wandmalerei (1980) wurde in Leipzig beim Festival Filme der Welt für den Frieden der Welt gezeigt. 1980 gründete er mit Christian Fuchs die IKARUS-Film-und Fernsehproduktion GmbH. Es entstanden Filme u. a. für das Kleine Fernsehspiel im ZDF, für ARD, SR und WDR.

Die Kuratorin und Autorin Paz Guevara lebt und forscht in Berlin. Aktuell wirkt sie an dem HKW-Langzeitprojekt Kanon-Fragen mit und ist Dozentin für Ausstellungsgeschichte und Sammlungen an der Universität Heidelberg. Zur Ausstellung Zeit der Unruhe trug sie Recherchen über lateinamerikanische Künstler*innen und Museen bei, die sich in der Soldaritätsbewegung engagierten. Guevara war Ko-Kuratorin von Ausstellungen wie In Other Words: The Black Market of Translations – Negotiating Contemporary Cultures in der NGBK (Berlin, 2012); des Lateinamerikanischen Pavillons der 55. und 54. Venedig-Biennale (2013 und 2011) und Comunidad Ficticia in Matucana 100 (Santiago de Chile, 2009). Bei der 7. Berlin-Biennale 2012 hielt sie einen Workshop für junge Kurator*innen mit dem Titel Curating in Times of Need.