Sa, 09. April 2016

Sprachfamilien und Kunstsprachen

Mit Ernst Kausen, Dagmara Kraus and Marcel Beyer

Die Zahl der Sprachen auf der Welt ist endlich. Doch wie viele genau werden gesprochen – und wo? Entdeckt vielleicht just, während wir ihr Aussterben beklagen, jemand neue Sprachen?

Der Linguist und Mathematiker Ernst Kausen hat sich der Mammutaufgabe gestellt, die Sprachfamilien der Welt in einem Werk zusammenzuführen. Sprachen werden jedoch nicht nur gesammelt, sondern auch erfunden: Das bis heute gesprochene Esperanto zum Beispiel oder die längst vergessene langue bleue, derer sich die Dichterin Dagmara Kraus bedient, um Gedichte von fremder Schönheit zu schreiben. Gemeinsam mit Marcel Beyer überlegen sie: An welchem Punkt schlägt kommunikativer Gebrauch in ästhetischen Zauber um?

Ernst Kausen arbeitete als IT-Manager, bevor er von 1982 bis 2014 Professor für Mathematik und Theoretische Informatik an der TH Mittelhessen war. Darüber hinaus ist er seit vielen Jahren als Sprachwissenschaftler tätig. Neben zahlreichen Werken zur Mathematik gehören zu seinen wichtigsten Beiträgen zur Sprachwissenschaft: Die indogermanischen Sprachen (2012) sowie das zweibändige Werk Die Sprachfamilien der Welt (2013–15) über die Verwandtschaftsverhältnisse sämtlicher Sprachenkreise der Erde. Kausen studierte Mathematik, Physik und Informatik, außerdem Ägyptologie, Altorientalistik und Vergleichende Sprachwissenschaft. Er promovierte im Fachgebiet Mathematik.

Die Lyrikerin und Übersetzerin Dagmara Kraus lebt in Carpentras und Berlin. Bisher sind von ihr drei Lyrikbände erschienen: kummerang (2012), kleine grammaturgie (2013) und das vogelmot schlich mit geknickter schnute (2016) sowie Übersetzungen aus dem Polnischen, etwa aus dem Werk von Miron Białoszewski Wir Seesterne (2012), Das geheime Tagebuch (2014) und Vom Eischlupf (2015). Kraus studierte Komparatistik und Kunstgeschichte in Leipzig, Berlin und Paris sowie Literarisches Schreiben in Leipzig.