Sa, 24. Oktober 2015

Die humanitäre Hilfe und die Wohnungsfrage

Von der Reform der Slums zum digitalen Unterschlupf | Mit Andrew Herscher (UM, Taubman College)

Die Geflüchteten aus dem Nahen Osten, die zurzeit in Europa Schutz suchen, haben nicht nur mit materiellen und politischen Hindernissen zu kämpfen – mit Zäunen, Grenzen und restriktiven Einwanderungsgesetzen, die ihre Bewegung kanalisieren, filtern oder ganz unterbinden sollen. Sie stoßen auch an begriffliche Grenzen. Eine der vielen derartigen Abgrenzungen, die von Geflüchteten infrage gestellt werden, ist die zwischen „humanitärer Hilfe“ und „Architektur“.

Indem sie die europäische Stadt in den Rang einer Alternative zum Lager erheben, machen die Geflüchteten aus dem, was die humanitären Organisationen als „Unterbringungsproblem“ behandeln, zugleich eine architektonische „Wohnungsfrage“. Sie fordern damit auch eine kritische Untersuchung des Verhältnisses zwischen humanitärer Aktion und Architektur ein. Andrew Herscher entwirft in seinem Vortrag eine Geschichte dieses Verhältnisses, die den Geflüchteten im Glauben an ihr zeitgenössisches Projekt der Zuflucht gerecht werden will.