Sa, 24. Oktober 2015

What can Architecture do in a Revolution? Stories from a Pragmatical Utopia

Mit Delfim Sardo (Kurator)

Im Zuge der portugiesischen Nelkenrevolution vom 25. April 1974 begann mit dem SAAL – Serviço Ambulatório de Apoio Local (lokaler ambulanter Unterstützungsdienst) – eine der größten Erfolgsgeschichten in der Architektur des 20. Jahrhunderts. Der SAAL leistete europaweit Pionierarbeit. Er bildete Teams von Fachleuten unter Anleitung von Architekten („Brigaden“), die in Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung dem dringendsten Wohnungsmangel unterprivilegierter Bevölkerungskreise im ganzen Land abhalfen.

Vom Erfassen der Lebensumstände vor Ort zur Unterstützung von Bewohnerkomitees, vom architektonischen Projekt bis hin zur Begleitung von Grundstückenteignungen erfanden die Brigaden die Arbeit des Architekten, der Architektin neu. Sie entwarfen Projekte nicht nur für die Bewohner, sondern mit diesen. Der SAAL war bis Oktober 1976 aktiv. In den 26 Monaten seiner Existenz führte er landauf, landab rund 170 Bauprojekte mit mehr als 40.000 beteiligten Familien durch – eine erstaunliche Zahl im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung.

Die Geschichte dieser fieberhaften Jahre lässt sich in einer programmatischen Äußerung von Nuno Portas, dem Schöpfer des SAAL, zusammenfassen: „Beim traditionellen Wohnungsbau ist alles fertig, wenn die Bewohner kommen. Beim SAAL sind die Bewohner schon dabei, noch bevor auch nur irgendeine Entscheidung fällt.“