Mi, 30. September 2015

Vaterländische Ouverture [Rekonstruktion]

zeitkratzer mit Maximilian Brauer

Die Menschheit begegnet dem Thema Krieg ambivalent. Durch Musik wird diese Zerrissenheit unmittelbar erfahrbar. Das Spektrum reicht von patriotischen Schlachtgesängen bis zu pazifistischen Hymnen, von todessehnsüchtigen Requiems bis zur Idee der Futuristen, den Klang der Schlachtfelder in den Rang von Sinfonien zu erheben. Was entsteht, wenn Kriegsmusik begeistert gespielt, der Gefallenen gedacht, mit Freude marschiert wird?

Das Berliner Solisten-Ensemble zeitkratzer reflektiert die historische Tatsache, dass mit Kriegsbeginn 1914 die meisten deutschen Konzerthäuser ihre Programme grundlegend änderten. Es bietet eine lautstarke Auseinandersetzung mit kriegsbegeisterten Gedichten Bertolt Brechts und Rainer Maria Rilkes und Märschen, wie sie die Berliner Philharmoniker zum Kriegseintritt 1914 intonierten. Schauspieler Maximilian Brauer konfrontiert das Publikum, angelehnt an damalige Inszenierungen, mit patriotischen Wortbeiträgen.


Biografien

Maximilian Brauer. Geboren Am Sylvesterabend 1986 in Ost-Berlin. Staatlich anerkannter Diplomschauspieler trotz abgebrochenen Studium. Danach Taschendiebschule in Spanien. Festengagements am Centraltheater Leipzig und der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Nicht bekannt aus Funk und Fernsehen. Arbeiten mit Sebastian H. und Sebastian B., Stefan M., Frank C., René P., Robert B. und einigen Anderen. Er hört THE GERMS und verehrt Fritz Lang. Seit 2014 gehört er dem sozialistischen Kollektiv MXMFOREVER an.

zeitkratzer wurde 1999 gegründet und ist in seiner Konzeption als europäisches Solisten-Ensemble weltweit einzigartig. Die neun Musiker, der Lichtdesigner und der Tonmeister leben in europäischen Städten und kommen zu Arbeitsphasen zusammen, oft in Berlin. Das Ensemble wurde weltweit bekannt für seine eigenwilligen und wegweisenden Programme. Das Repertoire umfasst Werke und Projekte von/mit Musikern wie Karlheinz Stockhausen, Lou Reed, Carsten Nicolai, John Cage, Keiji Haino, Jim O’Rourke, James Tenney, Helmut Oehring, La Monte Young, Merzbow, Alvin Lucier. Dabei kümmert sich zeitkratzer nicht darum, irgendeine „Reinheit“ der Neuen Musik zu wahren. zeitkratzer profitiert von den hybriden Erfahrungshintergründen seiner Musiker: Neue oder improvisierte Musik, experimenteller Rock und Pop, Noise, Ambient, Volksmusik ... Regelmäßig tritt das Ensemble bei renommierten Festivals von Madrid über London bis Wien auf. Mittlerweile liegen über zwanzig Tonträgerveröffentlichungen vor, fast alle wichtigen öffentlichen europäischen Rundfunksender haben Konzerte mitgeschnitten und gesendet. Mit zeitkratzer records existiert zudem ein eigenes CD-Label.