Mi, 30. September 2015

Eigenzeit Revisited

Helga Nowotny

“Rows and Rows” | Foto: Jurvetson (flickr) CC BY 2.0

“Rows and Rows” | Foto: Jurvetson (flickr) CC BY 2.0

In ihrer visionären Studie zur Eigenzeit setzte Helga Nowotny bereits 1989 dem Zeitregime von Beschleunigung und einheitlicher Taktungen entgegen, dass Zeit von Menschen gemacht wird und es keine universelle Zeit gibt, der wir ausgeliefert sind. In ihrem Vortrag stellt sie die Frage nach dem Zeitbegriff unter dem Eindruck aktueller Entwicklungen neu: Immer mehr Menschen fühlen sich überwältigt von Geschwindigkeiten, ausgelöst von neuen Technologien und organisatorischen Strukturen.

Dabei geht Nowotny erstmals auf zwei Entwicklungen ein, die für das Verständnis unserer Gegenwart zentral sind: Die Zerstörung natürlicher Ressourcen und das Leben mit Big Data. Jederzeit über weltweite Informationsnetze in Echtzeit erreichbar, leben wir heute in einer medialen Eigenzeit, die zunehmend unser Selbst einschließt. Durch die Untersuchung solcher Zeitstrukturen ermöglicht Helga Nowotny die gesellschaftliche Imagination einer radikal offenen Zukunft, in der die Erinnerung an die Vergangenheit und die Hoffnung auf die Zukunft nicht durch die allgegenwärtige Sehnsucht nach dem perfekten Augenblick ersetzt werden.

Helga Nowotny, emeritierte Professorin für Wissenschaftsforschung an der ETH Zürich und ehemalige Präsidentin des European Research Council, lehrte und forschte unter anderem am Wissenschaftskolleg zu Berlin, dem King’s College, Cambridge, der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales, Paris und am Collegium Budapest/Institute of Advanced Study, Budapest. Sie ist weiterhin auf nationaler und europäischer Ebene in der Forschungspolitik aktiv. Ihre wichtigsten Publikationen beschäftigen sich mit Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft und sozialer Zeit.