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Mi, 30. September 2015 — So, 04. Oktober 2015

Celltexts: Books written in prison (2008–2015)

Ines und Eyal Weizman

Detailansicht, Installation Celltexts | © Ines und Eyal Weizman

Detailansicht, Installation Celltexts | © Ines und Eyal Weizman

Diese Bibliothek, die 2008 das erste Mal zusammengestellt und seitdem regelmäßig erweitert wurde, enthält Bücher, die unter den Bedingungen der Gefängnis- oder Lagerhaft entstanden sind. Anders als die Klassifizierung nach Sachgebieten, wurden diese Texte nach der Dauer der in der Haft verbrachten Zeit angeordnet – von links nach rechts stehen Bücher nach Tagen, Wochen, Monaten und Jahren geordnet. Über die Texte entspinnt sich eine Landschaft von Gefängniszellen, die als Orte intellektueller Produktion in den Blick genommen werden. Räumliche und soziale Isolation werden so auch als Trigger für kreative Imaginationen und manchmal spirituelle Produktionen untersucht, durch die die jeweiligen Autor*innen versuchen, zu überleben und gegen die ihnen widerfahrene Gewalt subversiv anzuschreiben.

Die Sammlung umfasst Autor*innen, die für ihre schriftstellerische Tätigkeit, für ihr politisches Engagement oder für andere Verbrechen ins Gefängnis kamen. Régis Debray beschrieb das Gefängnis als „zweite Universität des Dissidenten“; Antonio Gramsci war gezwungen, seine Texte in einem Code zu verfassen, um die Zensur zu umgehen; Ezra Pound schmuggelte die Chinesische Enzyklopädie in seine Zelle in Pisa und Auguste Blanqui formulierte Mitte des 19. Jahrhunderts eine detaillierte Anweisung für den bewaffneten Widerstand mit Skizzen für den Bau von Barrikaden. Die Büchersammlung ist auch durch einen Online-Katalog auf www.celltexts.org zugänglich.


Biografien

Eyal Weizman ist Architekt, Professor of Spatial and Visual Cultures und Leiter des Centre for Research Architecture am Goldsmiths, University of London. Seit 2011 leitet er dort außerdem das Projekt Forensic Architecture. 2007 war er Mitbegründer der DAAR (Decolonizing Architecture Art Residency) in Beit Sahour, Palästina. Er ist unter anderem Autor der Bücher Mengele’s Skull: The Advent of a Forensic Aesthetics (2012, gem. mit Thomas Keenan), The Least of all Possible Evils: Humanitarian Violence from Arendt to Gaza (2009, 2011), Hollow Land: Israel's Architecture of Occupation (2007) und A Civilian Occupation: The Politics of Israeli Architecture (2003). Weizman saß im Vorstand der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem und hat mit zahlreichen NGOs in aller Welt zusammengearbeitet. 2014 leistete er mit der Konferenz The Architecture of Public Truth einen Beitrag zur HKW-Ausstellung Forensis.

Ines Weizman ist Professorin für Architekturtheorie an der Bauhaus-Universität Weimar und leitet dort das Bauhaus-Institut für Geschichte und Theorie der Architektur sowie das Centre for Documentary Architecture. 2014 hat sie den Band Architecture and the Paradox of Dissidence herausgegeben und gemeinsam mit Eyal Weizman das Buch Before and After: Documenting the Architecture of Disaster verfasst. Weitere Texte sind in Büchern und Zeitschriften wie AA Files, ADD BEYOND, Displayer, JAE, Future Anterior, Harvard Design Magazine, Perspecta, Volume und Sage Handbook of Architectural Theory erschienen. Ihre Installation „Repeat Yourself.“ Loos, Law and the Culture of the Copy war zuerst auf der Architekturbiennale von Venedig 2012 im Arsenale zu sehen, anschließend auch im Architekturzentrum Wien und an der Columbia University, New York.