Do, 29. Januar 2015

Keynote Capture All_Work

mit: Carolin Gerlitz, Judy Wajcman

Diese Keynote präsentiert Vorträge von zwei der wichtigsten zeitgenössischen Wissenschaftlerinnen, die sich mit dem Dilemma post-digitaler Arbeit auseinandersetzen. In einer tiefgehenden Diskussion beschäftigen sie sich mit den Möglichkeiten und Befähigungen von Arbeitern, es mit den heutigen zugleich stark zerstreuten und ebenso algorithmisch beherrschten Arbeitssituationen aufzunehmen und sich außerhalb davon zu organisieren.

Judy Wacjman ist bekannt für ihre Pionierarbeit The Social Shaping of Technology - How The Refrigerator got its Hum (mit D. MacKenzie, 1985) in den Wissenschafts- und Technologiestudien, genauso wie für ihr langjähriges Engagement in der Forschung an der Schnittstelle der Soziologie zu Arbeit, Organisation, Technologie und Feminismus, die sie in den Büchern Women in Control: Dilemmas of a Workers' Co-operative (1983) und TechnoFeminism (2004) untersucht hat. In ihrer Keynote wird Wacjman einen Ausblick auf die technologische Beschleunigung und den prekären Ausgleich von Arbeit und Freizeit geben, welche sie in ihrer letzten Studie Pressed for Time: The Acceleration of Life in Digital Capitalism (2014) genauer untersucht hat. Ausgehend von empirischen und historischen Studien bearbeitet Wacjman eine Sichtweise auf Beschleunigung nicht bloß als technologisches oder gar wirtschaftliches Phänomen, sondern untersucht, warum wir bestimmte Strukturen des Zeitmanagements in Alltagssituationen gegenüber anderen bevorzugen.

Mit Free Labor: Producing Culture for the Digital Economy (2003) hat die Aktivistin und Theoretikerin Tiziana Terranova eine der einflussreichsten Stellungnahmen zur Arbeit im digitalen Zeitalter geschrieben. Während sie innerhalb des Diskurses über neuen Medien / neue Ökonomie den Fokus weg von Partizipation, Interaktivität und Kollaboration hin zur Schlüsselrolle unbezahlter Arbeit verschob, zeigte sie neue Formen der Ausbeutung auf, die den digitalen Paradigmen von Open Source- und Peer Production-Modellen gefährlich anhaften. In dem Buch Network Culture – Politics for the Information Age (2004) schlägt sich darüber hinaus Terranovas post-marxistische und materialistische Kritik am Informationszeitalter nieder, wobei es aber auch wichtige Perspektiven auf Widerstand und Formen der Gegenorganisation aufzeigt, und wie sie durch Lücken und Überschreitungen in kybernetischen Netzwerken sichtbar werden können. In ihrem Vortrag wird Terranova diskutieren, wie neue soziale Formen des Widerstands Erwerbstätigen helfen können, sich jenseits der Trennlinie von geistigen und eher physisch eingegrenzten Arbeitstypen zu organisieren.


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