Sa, 18. Oktober 2014

Apparatus

mit Natascha Sadr Haghighian und John Tresch

A Matter Theater | © Sholem Krishtalka, 2014

A Matter Theater | © Sholem Krishtalka, 2014

Natascha Sadr Haghighian (Forscherin, Berlin) und John Tresch (Department of History and Sociology of Science, University of Pennsylvania, Philadelphia)

Ein Apparat ist ein Dispositif, eine Art Rahmen, um über das Sammelsurium von Praktiken im Zwischenraum von Technik, Technologie und Wahrnehmung nachzudenken. Als solches kann ein Apparat als Kosmogramm verstanden werden, als materielle Inschrift der Welt, die einen spezifischen Sinn von Ordnung, Bestimmung und Bedeutung transportiert. Im Fall des Anthropozäns erweist sich das Thermometer als besonders beständiges »Instrument«, um eine konkrete Bewertung des Klimawandels anschaulich zu machen. Dieses Instrument spricht durch eine Reihe von Wirkkräften: In all seinen Bestandteilen eröffnet es soziokulturell vermittelte Arten des Sehens und Fühlens, wissenschaftliche Fakten-Fiktionen und die techno-spirituelle Beeinflussung des Beobachters. Quecksilber – als ursprünglicher und historischer Trägerstoff des Thermometers – bildet einen der Fokusse der Untersuchung in dieser Practice. In Form des Thermometers misst Quecksilber den dynamischen Zustand von Körpern und gibt damit auch der feinen Unterscheidung zwischen Temperatur und Temperament Kontur. Als (chemisches) Element trägt Quecksilber die Operationen vieler Dispositive in unserer Sammlung technischer Weltbilder in sich: das Hg im Periodensystem, Gift, Substanz – unabdingbar für die Alchimisten der Vergangenheit – ein Katalysator, immer im Schwebezustand, ohne Gestalt oder Form, behaftet mit einer ganzen Geschichte der Mittel und Methoden, um das Quecksilber zu beschreiben, einzufangen, zu zähmen, nutzbar zu machen, eine Transformation in Gang zu setzen. Wenn der metaphorische Befund unseres Planeten »Fieber« lautet, welcher Praktiken bedarf es dann, um den Klimawandel in seiner Totalität anzusprechen, ohne im Repräsentativen zu verharren?

Mit Manuela Heider de Jahnsen (Society of Friends, Berlin)