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Fr, 17. Oktober 2014

Demonstrations

Dorothea von Hantelmann, Bronislaw Szerszynski, Natasha Sadr Haghighian, Etienne Turpin und andere

A Matter Theater | © Sholem Krishtalka, 2014

A Matter Theater | © Sholem Krishtalka, 2014

Measuring Infinity: A Test Arrangement
STRATAGRIDS (Künstlerkollektiv, Berlin)

Wie misst man das Unmessbare? Den meisten Physikern zufolge besteht unser Universum zu 95 Prozent aus dunkler Materie und Energie, aus Phänomenen also, die sich nicht beobachten, sondern nur indirekt verfolgen und beschreiben lassen. Dieses Paradoxon dient als Ausgangspunkt für eine performative Untersuchung, bei der Instrumente und Techniken des Messens sorgfältig inszeniert werden: ein akustisches Diagramm, eine Computersimulation, eine Videoanimation.

Age of the Catalyst
Benjamin Steininger (Wissenschafts- und Medientheoretiker, Universität Wien)

Der chemische Katalysator induziert im 20. Jahrhundert neuartige Stoffe in den Erdkreislauf, wie Düngemittel, Treibstoffe und Kunststoffe, und trägt wesentlich zur Great Acceleration bei. Entlang einer Befragung am Spieltisch spannen dichte Schaustücke ein Dreieck aus chemischen, geologischen und menschenhistorischen Zeitregimen auf.

BOTANICAL HACK_Berlin
Etienne Turpin (anexact office, Jakarta) und Stefania Druga (HacKIDemia, Berlin)

Die Nutzung von urbanen Flächen für den Anbau von Nahrungsmitteln erfordert die Entwicklung leicht zugänglicher Messinstrumente für die Bewertung des Zustands der Böden. Das Netzwerk HacKIDemia entwickelt DIY-Bodensensoren, die es Communities ermöglichen, Bürgergärten zu planen und zu bepflanzen und gleichzeitig potenzielle Orte für das Kultivieren essbarer Pflanzen zu identifizieren. Diese Demonstration basiert auf einer angewandten Bodenrecherche und macht in Form einer Gruppenpräsentation einen Vorschlag, wie ein Park zum Bürgergarten umgewandelt werden könnte.

Liberation into Matter: The Temporalities of Individual and Planetary Becoming in Twenty-Second- Century Mangalayana Buddhism
Bronislaw Szerszynski (Department of Sociology, Lancaster University), Bildbearbeitung: Elke Auer, Ton: LARSEN (2014), Byron Reza Afshar

Entlang der Materialien und Instrumente, die in den Beisetzungsritualen im späten 22. Jahrhundert in Siedlungen von Marsianern verwendet werden, widmet sich diese Demonstration der Frage, wie der Mangalayana-Buddhismus das konventionelle Verständnis der Beziehung zwischen Materie und Zeit, Planeten und Raum, dem Endlichen und dem Unendlichen sowie der Sterblichkeit und der Unsterblichkeit radikal verändert hat. Es wird eine Zukunft demonstriert, in der durch eine Revolution des Bewusstseins die menschliche Gesellschaft, die Evolution der Erde und unsere weiter gefasste astrale Umgebung neu verhandelt werden.

The Wax Slicing Machine
Flora Lysen (Kunsthistorikerin und Kuratorin, Universität Amsterdam)

Die Erfindung von Röntgenstrahlen im Jahr 1896 führte zu öffentlicher Erregung und wilden Diskussionen über die Möglichkeit, das Innere des Schädels abzubilden. Sollte es möglich sein, ein Bild eines aktiven Gehirns in einem lebendigen Menschen aufzunehmen? Das Denken einzufangen? Diese Demonstration widmet sich historischen Experimenten der Animation und »gescheiterten« Maschinenentwürfen, wissenschaftlich-künstlerische Hybride, die neue Visionen von Innerlichkeit generierten – von einem Berliner Labor bis hin zu einer Münchner Badewanne.

Floating Selection
Bettina Vismann (Architektin, Künstlerin und Forscherin, Berlin), Dramaturgie: Elise von Bernstorff (Dramaturgin, Berlin)

Wir sind gewohnt, jene kleinsten, gerade noch sichtbaren Partikel, die wir Staub nennen, als Störung zu betrachten. In den Naturwissenschaften werden diese luftgetragenen Stoffe immer wieder zum Modell für Wirklichkeit, sie führen zu einer Kosmologie, die nicht auf Ordnung basiert, vielmehr auf Kontingenz. Die Lecture-Performance geht jenen Prozessen nach, die unsere Wirklichkeit im Entstehen bewegen, den mikroskopisch kleinen Dingen, die zwischen uns schweben.

Enquiry into Understanding Cosmic Scale
Andrew Gregory (Department of Science and Technology Studies, University College London), eingeladen von Margarida Mendes (Kuratorin, Lissabon)

Die Analogie »Makrokosmos/Mikrokosmos« setzte den Himmel wie auch die Wetterzyklen der Erde in modellhafte Beziehung zum menschlichen Verstand und Körper. Welche Rolle spielt der Rückgriff auf die Begriffe Sympathie und Harmonie in der Vermittlung der Beziehungen zwischen Mikro und Makro? Eine fortlaufende Reihe von Imaginationen zwischen Philosophie und Astronomie, Kosmologie und Medizin, die diverse historische Figuren als Gesprächspartner heranzieht – von Aristoteles und Giordano Bruno bis William Harvey.

de paso
Natascha Sadr Haghighian (Forscherin, Berlin), wissenschaftliche Mitarbeit: Vera Tollmann

Die Kollision eines Handgepäck-Koffers und einer Wasserflasche aus Plastik gibt den verschiedenartigen Äußerungen des Kapitals eine Stimme und verfolgt dabei die Geschichten, die von Objekten und ihren globalen Auftritten belebt werden und sie beleben. Der krachende Klang des kollabierenden Plastiks wird von den Wänden zurückgeworfen und breitet sich – in ständig wechselnden Rhythmen widerhallend – im Raum aus. Zwei Objekte, eine Klanginstallation und eine Präsentation von Fußnoten aus den Reiseberichten der Objekte, verfolgen, wo und in welcher Form Trinkwasser auftritt, die Art, wie wir uns zwischen Orten bewegen, und wie wir dabei mit den Dingen in Kontakt treten.

Vom 16.10. bis 18.10. im Audi Foyer und der Terrasse: Natascha Sadr Haghighian, de paso (2011-fortlaufend), Sound Installation mit Rollkoffer und einer Wasserflasche aus Plastik, begleitet von einer Demonstration am 17.10 um 19.30h im Auditorium

Swinging. Kommentierte Leibesübungen mit Schlangenlinien
Torsten Blume (Forscher und Künstler, Stiftung Bauhaus Dessau), Peter Wagner (Performer, Berlin)

Schwingen und Schwingungen werden in dieser Demonstration auf ihr Potenzial in der Optimierbarkeit körperlicher und handlungsorientierter Bewegungsabläufe untersucht. Wie lässt sich ein gelassenes, achtsames Ein-, Aus- und Um-Schwingen von Bewegungsgewohnheiten und Denkmustern, ein Oszillieren und Irritieren von Wahrnehmungen übend einverleiben?

The Exhibition
Dorothea von Hantelmann (documenta-Gastprofessorin, Kassel), eingerichtet von Tino Sehgal (Künstler, Berlin)

Die kulturhistorische Errungenschaft der Ausstellung liegt in der Hervorbringung eines individualisierten, flexibilisierten und in diesem Sinne modernen Rituals. Als solches basiert es auf dem Prinzip der Trennung: einer Trennung der Objekte aus ihren Netzwerken und Zusammenhängen ebenso wie einer Trennung der Sinne, der Wahrnehmungs- und der Erkenntnisweisen aufseiten der Partizipierenden. Die Demonstrationentfaltet dieses Trennungsprinzip in seiner sozialen, politischen und ökonomischen Bedeutung.

Glass (im Tea Garden, Zugang über Garderobenfoyer)
Allen S. Weiss (Tisch School of the Arts, New York University)

Anhand der Evolution des Materials, der Form und der Funktion japanischer Trinkgefäße wird untersucht, wie die Verwandlung von Erde (Lehm) in kunsthandwerkliche keramische Objekte, traditionell aus Ton hergestellt, sowohl Spuren von Erdmaterie als auch verkörperter Berührung enthält, so dass Unvollkommenheiten wesentlich sind. Sich mit der Materialität eines Gefäßesauseinanderzusetzen, sei es aus Plastik, Glas, oder Ton, bedeutet, die Modalitäten von gesellschaftlichen Beziehungen, widersprüchlichen ästhetischen Formen und Notwendigkeiten eines ökologischen Bewusstseins zu entwirren.