Di, 10. Juni 2014

Europa postkolonial

Walter Mignolo

Europa sei buchstäblich ein Produkt der Dritten Welt, schrieb Frantz Fanon provokativ in seinem Werk "Die Verdammten dieser Erde" (1961). Mit dieser brillanten Einsicht in die Wechselwirkungen von kolonisierenden und kolonisierten Gesellschaften, die konstitutiv für beide Seiten wurden, formulierte Fanon eine radikale postkoloniale Position.

Besonders produktiv wurde diese Einsicht für eine neue, erweiterte Perspektive auf die Geschichte der Globalisierung als eine Geschichte globaler Verflechtungen: Europa und der Westen treten darin nicht mehr nur als Produzentinnen, sondern auch selbst als Produkte dieser Geschichte in Erscheinung - und zugleich in den Hintergrund. Aber beschränkt sich das postkoloniale Erkenntnisinteresse, wie Kritiker meinen, nur auf eine „Archäologie“ der kolonialen Vergangenheit? Oder ist auch ein kritisches Verständnis der Gegenwart erst durch die Genealogien des Post/Kolonialismus möglich? Und welche Rolle spielt dabei das heutige Europa - als global verflochtene politische und diskursive Formation? Wohin also führt uns Fanons Einsicht heute, mit Blick auf die Gegenwart Europas, des Europäischen, des Eurozentrismus?

Anlässlich der zweiten, erweiterten Auflage von Jenseits des Eurozentrismus. Postkoloniale Perspektiven in den Kultur- und Geschichtswissenschaften (Campus-Verlag) lädt diese Veranstaltung dazu ein, sich mit der Aktualität eines postkolonialen Europas auseinanderzusetzen. Walter Mignolo, einer der weltweit führenden Theoretiker auf diesem Gebiet, wird dazu grundlegende Überlegungen präsentieren. Im Anschluss diskutieren mit ihm die Herausgeber und Autoren des Buches sowie das Publikum.


16:30 Begrüßung
Keynote Lecture Europe and (De)Coloniality, today
Walter Mignolo, Professor für Literatur und Direktor des Center for Global Studies an der Duke University, Durham

18:00 Statements und Diskussion
mit: Manuela Boatca, Professorin am Lateinamerika-Institut, FU Berlin; Autorin des Beitrags „Die östlichen Ränder des Empire. Kolonialität im Rumänien des 19. Jahrhunderts“
Sebastian Conrad, Professor für Moderne Geschichte, Friedrich-Meinecke-Institut, FU Berlin; Herausgeber und Ko-Autor von „Geteilte Geschichten – Europa in einer postkolonialen Welt“, Vorstand des Forum Transregionale Studien
Andreas Eckert, Direktor und Professor am Institut für Asien- und Afrikawissenschaften, HU Berlin; Autor des Beitrags „Wir nicht, die Anderen auch. Deutschland und der Kolonialismus“, Vorstand des Forum Transregionale Studien
Shalini Randeria, Direktorin und Professorin am Anthropology and Sociology of Development Department, The Graduate Institute Geneva; Herausgeberin und Ko-Autorin von „Geteilte Geschichten – Europa in einer postkolonialen Welt“ sowie „Das postkoloniale Europa – Verflochtene Genealogien der Gegenwart“
Regina Römhild, Professorin am Institut für Europäische Ethnologie, HU Berlin; Herausgeberin und Ko-Autorin von „Das postkoloniale Europa – Verflochtene Genealogien der Gegenwart“



Mehr Information: euroethno.hu-berlin.de

In Kooperation mit: Institut für Europäische Ethnologie, Humboldt-Universität zu Berlin