So, 16. März 2014

Keynote: Baltasar Garzón

Baltasar Garzón im Gespräch mit Marcela Pizarro, Einführung: Silvia Fehrmann

Als spanischer Richter wurde Baltasar Garzón 1998 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, als er einen Haftbefehl gegen den früheren chilenischen Diktator Pinochet erließ. Als einer der engagiertesten Richter/Juristen war er in juristischen Auseinandersetzungen über die Exhumierung von Massengräbern von Republikanern aus der Bürgerkriegszeit involviert, er engagiert sich auch bei der Verteidigung von Julian Assange. Garzón wird über die politischen Implikationen seiner juristischen Arbeit und die Reaktionen der Politik darauf sprechen.


Baltasar Garzón führte als Ermittlungsrichter an Spaniens zentralem Strafgerichtshof, der Audiencia Nacional eine Reihe von Musterverfahren durch. Er verfolgte baskischen und paramilitärischen Terrorismus sowie Korruption in Spanien, internationales Aufsehen rief 1998 sein Haftbefehl für den frühreren chilenischen Diktator Augusto Pinochet hervor, dem er die Folterung und Ermordung spanischer Staatsangehöriger vorwarf. Kontrovers beurteilt wurde 2008 die Anordnung der Exhumierung von Opfern der spanischen Republikaner im Spanischen Bürgerkrieg, die mit rechtlichen Schritten gegen Politiker der Franco-Diktatur einher gingen. Für sein politisches Engagement erhielt er zahlreiche Ehrungen, wie zum Beispiel im Jahr 2009 den Hermann Kesten Preis des Deutschen Pen Zentrums. 2010 arbeitete er als externer Berater des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag. Heute unterrichtet er Strafrecht an der Universität Complutense Madrid und ist Berater von Julian Assenge. Er ist der Gründungspräsident der Internationalen Baltasar Garzón Stiftung (FIBGAR) mit Sitz in den vier Ländern Argentinien, Kolumbien, Spanien und Mexiko.


Von Geburt Chilenin, von der Geschichte exiliert: Marcela Pizarros arbeitet als Journalistin bei Al Jazeera English für eine medienkritische Sendung, die die Machtdynamik hinter der Nachrichtenberichterstattung offenlegt. Seit der Gründung des Senders 2006 arbeitet sie dort in der Nachrichtenredaktion und für andere Programme. 2004 promovierte sie, von der British Academy gefördert, über lateinamerikanische Kulturgeschichte an der University of London. Ihre Dissertation beschäftigt sich mit der Arbeit einer neoavantgardistischen Gruppe von Künstlern und Schriftstellern, die während Chiles Übergang zur Demokratie einen alternativen Modus der intellektuellen Produktion darstellte.