Sa, 15. März 2014

Anarchisten gegen das Gesetz

Michael Sfard im Gespräch mit Susan Schuppli, Einführung: Ayesha Hameed

Nach dem Ende des Angriffs auf Gaza 2008/2009, während dessen israelische Militärjuristen das Kriegsrecht „kreativ“ auslegten, nannte Michael Sfar diese Rechtsberater „Anarchisten gegen das Gesetz“ und bezeichnete so eine merkwürdige Umkehrung. In diesem Gespräch wird sich Sfard, der wichtigste aktivistische Jurist Israels, mit dem neuen Phänomen „forensischer Kriegsführung“ oder „lawfare“ und neuen Möglichkeiten für juristischen Aktivismus auseinandersetzen, der Israels Besatzung entgegentreten soll.


Michael Sfard ist Rechtsanwalt und spezialisiert auf internationales Menschenrecht und Kriegsrecht; er war in Israel in vielen großen Prozessen als Berater tätig. Sfard wuchs in Jerusalem auf und diente als Sanitäter bei den Israeli Defense Forces (IDF). Weil er sich weigerte, für die Armee nach Hebron zu gehen, verbrachte er als Verweigerer aus Gewissensgründen drei Wochen im Militärgefängnis. Nach Abschluss seines Jurastudiums an der Hebrew University in Jerusalem arbeitete er fünf Jahre lang in der Kanzlei von Avigdor Feldman. Während dieser Zeit verbrachte er ein Studienjahr in London, um dort seinen Master in Internationalem Menschenrecht am University College London (UCL) zu machen. Anfang 2004 eröffnete Sfard eine eigene Kanzlei in Tel Aviv. Sfard ist heute Rechtsberater mehrerer israelischer Menschenrechtsorganisationen und Friedensgruppen (darunter Yesh Din, Peace Now und Breaking the Silence) und vertritt palästinensische Gemeinden (wie das Dorf Bil’in) und israelische und palästinensische AktivistInnen.


Susan Schuppli ist Künstlerin und Autorin sowie Senior Research Fellow und Projektkoordinatorin bei Forensic Architecture. Vor ihrer Arbeit am Goldsmiths war sie Dozentin an der University of Western Ontario in Kanada. Sie promovierte 2009 am Centre for Cultural Studies und am Centre for Research Architecture, Goldsmiths. Nach Abschluss ihres M.F.A. an der University of California San Diego nahm sie teil am Whitney Independent Study Program. Ihre kreativen Projekte waren bereits in ganz Kanada, in den USA, Australien, Europa und Asien zu sehen. Zu den nächsten Ausstellungsorten gehören das Casino Luxembourg und das Stroom Den Haag. Texte von Susan Schuppli sind erschienen in Cabinet, Photoworks, Borderlands, Cosmos & History, Memory Studies sowie in Publikationen von Academia Press, Imprensa Nacional, Ciel Variable, Sternberg Press, Yale University Press und Cambridge Scholars Press. Sie ist Autorin des in Kürze erscheinenden Buches Material Witness: Forensic Media and the Production of Evidence (MIT Press, 2015), das zugleich Gegenstand eines experimentellen Dokumentarfilms ist.