12.5.2009

DeColonizing Europe

Unter Dekolonisierung wird normalerweise ein abgeschlossener historischer und politischer Prozess verstanden, der in den ehemaligen europäischen Kolonien in Asien, Afrika und Lateinamerika zum Ende des Kolonialismus und zur Unabhängigkeit und zur Errichtung von Nationalstaaten nach europäischem Muster führte. „DeColonizing Europe“ hinterfragt herkömmliche Grenzziehungen in kulturellen, künstlerischen, politischen und wirtschaftlichen Kontexten in und außerhalb Europas und versucht „Ansichten“ zu einer Neuverhandlung zu eröffnen.

Welche Möglichkeiten der Selbstreflexion ermöglicht die Perspektive einer Dekolonisierung Europas in Bezug auf Staatsbürgerschaft, Pluralismus und Demokratie? Wie funktioniert „Europa“ als Nexus von Ideen und Praktiken, die im globalen Kontext auch im nachkolonialen Zeitalter Widerstand oder Affirmation hervorrufen? Wie wirken die politische Ökonomie und die Wissensordnung der Ära des „Kolonialismus'“ in aktuellen politisch-ökonomischen Strukturen und Diskursen nach? Was hat innerer mit äußerem Kolonialismus zu tun, etwa in der Frage der Homogenisierung und Nationalisierung von Bevölkerungen? Inwiefern bleibt das Leitmotiv der „Dekolonisierung“ und das Erbe des Kolonialismus unhintergehbare Größe für demokratische und partizipatorische Praktiken im heutigen Europa? Diesen und anderen Fragen stellt sich die Reihe „DeColonizing Europe“, eine Kooperation des Haus der Kulturen der Welt mit dem Forschungsprogramm „ Europa im Nahen Osten – Der Nahe Osten in Europa“.